Westend

„Mein Gott, Das waren noch Zeiten, als man im ‚Tipp‘ inserierte!“

Ausschnitt aus »Westend«

Linn Reusse bei Leseproben zu 'Westend' (Foto: MDR/Olaf Parusel)Westend. Hörspiel nach dem Theaterstück von Moritz Rinke
Mit: Ulrich Matthes, Anja Schneider, Linn Reusse und Felix Goeser. Ton: Holger König. Schnitt: Christian Grund. Hörspielbearbeitung / Regie: Stefan Kanis (Erstendung: MDR KULTUR, 14.9.2020)

Eduard und Michael haben gemeinsam in den 1990er Jahren Medizin studiert, waren dicke Freunde, bis sich ihre Wege trennten. Eduard betäubt heute als Schönheitschirurg die Angst seiner Klientinnen, alt und wertlos zu sein. Michael kommt aus Afghanistan zurück, er arbeitet für eine humanitäre Organisation; was er mitbringt, sind Geschichten von Gewalt und sinnlosem Sterben. Welten prallen aufeinander, als sich Eduard und Michael wiedersehen – nicht nur politisch, sondern auch privat. Denn Eduard hat mittlerweile Charlotte geheiratet, die davor mit Michael zusammen war. Erneut ist Charlotte zwischen den grundverschiedenen Männern hin- und hergerissen, ihr Kampf um Selbstbestimmung müsste einen radikalen Neubeginn einschließen. Kann sie ihn durchsetzen? Weiterlesen
Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

„Entgiftung“: Nominierung zum CIVIS-Preis

CIVIS – europäischer Medienpreis für Integration

Sie wird niemand aufhalten! - Carina Wiese und Anja Schneider bei den Aufnahmen zu "Die Entgiftung des Mannes" (Foto: Olaf Parusel/MDR)Die Jury des CIVIS-Preises nominiert Folge 1 („Süßsauer„) der „Entgiftung des Mannes“ in der Sparte Civis Audio Award – Kurze Programme. Eingereicht wurden über 900 Sendungen aus 22 EU-Staaten und der Schweiz.
Freude!

Aus der Nominierungsbegründung:

„Das Hörspiel zeigt aus der Sicht einer Frau auf außerordentlich witzige Weise: Das Private ist politisch. Sehr gelungene audiophone Form, die die Polarisierung der Gesellschaft – gespiegelt in einer Ehe – aufzugreifen und konstruktiv anzugehen weiß.“

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

„Entgiftung“: Nominierung zum Kriegsblindenpreis

„über Boulevard weit hinausgehendes radiogenes witziges Bekehrungsstück“

Die Jury des Kriegsblindenpreises nominiert unter den Einreichungen aus allen Rundfunkanstalten der ARD sowie der Schweiz und Österreichs jährlich drei Stücke zum Preis. Darunter dieses Jahr: „Die Entgiftung des Mannes“ von Holger Böhme mit Carina Wiese und Anja Schneider!

Portrait Holger Böhme (Foto: Olaf Parusel/MDR) Aus der Begründung:

(…) Mit sicherem Gespür für Dialekt und Dialoge verfolgt Böhme nun die immer abenteuerlicher sich entwickelnden und verwickelnden Entgiftungsstationen. Er skizziert seine Figuren mit leichter Hand und lässt sie in quirligen Telefonaten, konspirativ mitgelauschten Treffs, in ihrer gesamten verblüffend erfolgreichen, kichernden Intrige zu wahrer Größe aufleben. All das geschieht mit beachtlichem Verständnis für Gespräche „unter Frauen“ und unter Vermeidung billiger Klischees. So verfolgen wir bis zu seinem überraschenden Ende hin amüsiert und auch nachdenklich ein über das „Boulevard“ weit hinausgehendes radiogenes witziges Bekehrungsstück.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Virus Kneipe Mensch

Letzte Wahrheiten

 

Veröffentlicht unter Allfälliges | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Gerechtigkeit für das „Äh“

Saboteure der Verständigung

Ausschnitt aus »Gerechtigkeit für das „Äh“«

Gerechtigkeit für das ‚Äh‘. Feature von Jörg Sobiella.
Mit: Bettina Kurth, Ilja Richter und Axel Thielmann. Redaktion: Kathrin Aehnlich. Schnitt: Christian Grund. Ton: André Lüer. Regie: Stefan Kanis
(Ursendung: MDR KULTUR/rbb kultur, 28.12.2019)

Das „Äh“ ist ein Saboteur der Verständigung. Es stellt sich irgendwo im Satz quer und behindert den Lauf der Worte und Gedanken. Klar, dass einem solchen kommunikativen Störenfried bisher kaum Beachtung geschenkt wurde. Hat sich ein Dichter oder Romanautor je für das „Äh“ interessiert, obwohl es wahre Großmeister des „Ähs“ gibt?
Mehr als ein Vierteljahrhundert lang hat der Radioredakteur Jörg Sobiella nicht nur alle Versprecher, sondern auch alle „Ähs“ aus den O-Tönen für seine Beiträge getilgt. Die „Ähs“ störten den Redefluss der O-Ton-Geber und sie beanspruchten Zeit, die in einem Beitrag von drei oder vier Minuten immer kostbar ist. Jetzt, am Ende seiner beruflichen Laufbahn, möchte er den verachteten „Ähs“ Gerechtigkeit widerfahren lassen.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

4 x 50 Meter

Eine Staffelgeschichte von Thilo Reffert

»4 x 50 Meter« – Aussschnitt

Thilo Reffert (Foto: gezett)

Mit: Jörg Schüttauf.
Ton und Schnitt: Holger König und Christian Grund. Redaktion: Kirstin Petri. Regie: Stefan Kanis. Produktion: SWR/MDR für die ARD-Radionacht der Kinder (Ursendung: 29.11.2019)

Staffellauf der vierten Klassen beim Schulsportfest. An den Start gehen: Anna, die schon beim Aufstehen von ihrem Triumph träumt, und vor allem auf die neuen Sneaker setzt. Samson, ehrgeizig, aber auch mit Blick aufs Klassenwohl. Die schnelle Inci, der das Sportfest egal ist, sie hätte stattdessen lieber den ganzen Geschichte und Deutsch. Und schließlich Faris, klein und – naja, unsportlich – der kurzfristig und – ja, nicht ganz planmäßig – als Schlussläufer einspringt. Jörg Schüttauf (Foto: MDR/Harre)Alle vier erleben den Wettkampf auf ihre eigene Weise und erzählen davon. Das bleibt bis zum Ende spannend, auch wenn Anna gleich am Anfang den Start versiebt …

 

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Furor

Wutbürger vs Politiker. Ein Tableau aus der gespaltenen Gesellschaft.

»Furor – Ausschnitt

Furor von Hübner/Nemitz. Mit: Felix Goeser, Anja Schneider und Božidar Kocevski. Ton und Technik: Alexander Brennecke und Gundula Herke. Regie: Stefan Kanis. Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2019 (Erstsendung: 18.11.2019, 22:03)

Der Bürgermeister-Kandidat Heiko Braubach fährt im Bahnhofsviertel einen jungen Mann an, der ihm unter Drogeneinfluss vor das Auto springt. Schuld trifft ihn nicht. Und dennoch besucht er die alleinstehende Mutter des Jungen, der für den Rest seines Lebens an den Rollstuhl gefesselt sein wird. Er will ihr Hilfe anbieten für ihren Sohn Enno – vielleicht aus Gutherzigkeit, vielleicht auch, weil er negative Schlagzeilen fürchtet. Doch plötzlich taucht Jerome auf, Ennos Cousin. Für ihn ist klar: Braubach will nur sein Image retten. Und so wittert der Underdog seine Chance und erpresst Braubach nach allen Regeln der Kunst.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Entgiftung des Mannes

30 Jahre nach der Wende: Dröge Männer und schiefe Bilanzen? Zwei Frauen gehen zurück auf Null.

»Die Entgiftung des Mannes« – Folge 4

Sie wird niemand aufhalten! - Anja Schneider und Carina Wiese bei den Aufnahmen zu "Die Entgiftung des Mannes" (Foto: Olaf Parusel/MDR)Die Entgiftung des Mannes. Eine Radiokomödie in zehn Szenen von Holger Böhme.
Mit: Carina Wiese und Anja Schneider. Als Gast: Jörg Schüttauf.
Dramaturgie: Thomas Fritz.
Ton und Schnitt: Holger Kliemchen, André Lüer und Hans-Peter Ruhnert.
Regie: Stefan Kanis | (Ursendung: MDR KULTUR, 04.11.2019)

Im Herbst 1989 haben sich Steffi und Isa bei den Dresdner Montags-Demonstrationen kennengelernt – doch in den Nachwendewirren bald aus den Augen verloren. Dreißig Jahre später begegnen sie sich wieder: Als Steffi in Isas Agentur (Werbung, Druck & Copy) für ihren Mann Jochen Plakate in Auftrag geben will – „Pegida“-Plakate. Das wird Isa auf keinen Fall hinnehmen! Steffi bleibt skeptisch, beteiligt sich jedoch an Isas Vorhaben, den dauerstänkernden Jochen für Demokratie, Toleranz und Vielfalt zurückzugewinnen. Doch die Entgiftung des Mannes gestaltet sich schwieriger als gedacht. Neue Barrieren erfordern neue Einfälle und lassen die beiden Frauen schließlich zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen. Eine turbulente Radio-Komödie nimmt ihren Lauf, die den Herbst ’89 unmittelbar mit dem Herbst 2019 verknüpft.

 

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Alles für die Katz

Berufsbild: Katze

Ausschnitt aus »Alles für die Katz«

KatzeAlles für die Katz. Feature von Judith Burger.
Mit: Jenny Langner, Nils Andre Brünnig, Ilka Teichmüller. Redaktion: Kathrin Aehnlich. Ton und Schnitt: Holger König, Christian Grund.
Regie: Stefan Kanis
(Ursendung: MDR KULTUR/rbb kultur, 21.9.2019)

Hunde haben Besitzer, Katzen haben Personal, heißt es. Viele prominente Künstler wie Dorothy Parker, Ernest Hemingway oder Axel Eggebrecht waren den Katzen verfallen. Bis heute teilt sich die Welt in Katzenliebhaber und Katzenhasser, von denen Einige fragen, ob rumänische Straßenkatzen in Deutschland gesund gepflegt werden sollen oder man seine Fürsorge nicht doch lieber den Menschen zuwenden sollte? Die Katze aus vergangenen Zeiten war dafür da, Schiffe und Häuser maus- und rattenfrei zu halten. Die Katze von heute braucht keinen Job mehr, sie wird umgarnt und sitzt hübsch auf dem Sofa, verursacht riesige Tierarztrechnungen und ist mäklig. Und sie erinnert daran, dass eine Katze sehr viel früher eine Göttin war!

Veröffentlicht unter Allfälliges | Hinterlasse einen Kommentar

Auslöschung

Ein Radio-Tatort aus Sachsen-Anhalt

Ausschnitt aus »Auslöschung«

Manon Straché als Sabine und Horst Kotterba als Andreas im ehelichen Zwiegespräch (Foto: MDR/Thekla Harre)

Auslöschung. ARD-RadioTatort von Thilo Reffert
Mit: Horst Kotterba, Manon Straché, Anne Müller, Bianca Nele Rosetz, Hilmar Eichhorn, Tobias Hengstmann, Michael Kind, Alexander Terhorst und Jenny Langner. Dramaturgie: Nicole Standtke und Thomas Fritz. Ton: Holger Kliemchen. Schnitt: Christian Grund. Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR KULTUR, 17.6.2019)

Nach einem Brand wurde in der qualmenden Ruine eines Einfamilienhauses die Leiche einer jungen Frau gefunden. Was anfangs wie ein Unglück wirkte, war in Wahrheit Mord. Die junge Frau starb durch 13 Messerstiche. Nach monatelangen vergeblichen Ermittlungen legt die Kriminalpolizei den Fall zu den Akten. Das schlagzeilenträchtige Schicksal der Betti Wagner kann nicht aufgeklärt werden. Als Jost Fischer davon erfährt, LKA-Hauptkommissar aus Magdeburg im Unruhestand, will er den vertrackten Fall auf eigene Faust lösen. Er ahnt freilich, dass er dabei Unterstützung braucht und versucht deshalb, die junge Kommissarin Caroline Griem vom LKA für seinen guten Zweck einzuspannen. Aber Caro weiß genau, wo kriminalistisches Freibeutertum à la Fischer enden kann – im beruflichen Aus. Und doch lässt sie sich auf das Abenteuer ein, denn der pensionierte Fischer hat etwas, was zur Lösung dieses Falles unerlässlich ist: Er ist ein original Ostler, ein gelernter DDR- und gewordener BRD-Bürger, Migrant ohne Reise, vertraut und fremd zugleich den beiden Ländern, in denen er lebt(e).Und so begeben sich Fischer und Caro auf eine Reise in die Vergangenheit der Region, in die Familiengeschichte der Wagners, zum Nullpunkt ihrer Identität.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Am Nullpunkt des Darstellens

Susann Maria Hempels Hörstück „Auf der Suche nach den verlorenen Seelenatomen“

[Link zum Audio]

Susann Maria Hempels “Auf der Suche nach den verlorenen Seelenatomen” (Produktion: rbb 2018) gewinnt den „Hörspielpreis der Kriegsblinden“ 2019, es trägt die Auszeichnung „Hörspiel des Jahres“ 2018 der Akademie für Darstellenden Kunst. Hempels Hörstück scheint in seltener Weise nur in seiner aufgeführten Form überhaupt möglich zu sein.

Bemerkenswert ist die Gleichzeitigkeit von Inkorporation des / Distanz zum Gegenstand. Der „Gegenstand“ ist die Geschichte eines Outcasts, eines Geschädigten, eines stillen Unangepassten, der in der DDR eine unmenschliche Haftzeit überstehen musste; der vor und nach der Haft eine Urkraft im Leben mit und in der Natur sucht. Hempel gewinnt ihren Stoff aus Gesprächen mit dieser realen Person.

Inkorporation: Die Unmittelbarkeit, mit der sich Hempel ihrem Gegenüber aussetzt – aber nicht ausliefert. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allfälliges | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Müllerbaukasten

im Netz von/mit Heiner Müller

müllerbaukasten.de
Konzept und Redaktion: Thomas Fritz, Stefan Kanis, Kristin Schulz, Franz Alken, Nicole Standtke
Art-Direction und Programmierung: Alken&Sledz, Studio für Digitale Produktionen, Leipzig
Produktion: MDR 2018/19

Jury-Nominierung zum Deutschen Radiopreis 2019 in der Kategorie „Beste Innovation

Wenn man über Heiner Müller spricht, müsste man immer zwei Sachen gleichzeitig sagen. Da ist zum einen die Rede über sein Werk, wie sie in den Nachschlagewerken steht: Der große politische Dramatiker in der Nachfolge Brechts, der Revolutionär der Formensprache des Dramas, der unbestechliche Analytiker des Zeitgeistes, die Sphinx des Feuilletons …

Im selben Moment müsste man durch das zurückhaltende Lächeln Müllers hindurch die schwebenden Turbulenzen einer ernsten Harlekinade einfangen. „Ich sage alles, nur nicht, was ich denke.“ Hoppla, ein Bonmot. Ja, die typische Müller-Falle. Umso häufiger man in seinen Texten liest, auf das Müller-Lächeln schaut, spürt man, die wie gut das tut, wie heilsam es uns heute ist. „Mein Text ist ein Telefonbuch, und so muss er vorgetragen werden, dann versteht ihn jeder.“ Auch ein Bonmot, sicher, aber es fordert uns auf, mit seinen Werken ohne Ehrfurcht umzugehen. Hinter der Sentenz lebt ein anderes Vertrauen, es steht gegen die tägliche Idiotie des Bescheidwissens, dass es immer darauf ankomme, wie etwas gemeint sei. Erst recht, wie der Autor etwas meint. „Polizeiästhetik“ nannte das Müller. In unserer von Selbstdarstellung müden Zeit ist dies vielleicht das Wichtigste an ihm. Dass jemand von sich selbst absieht. Umso näher man Heiner Müller kommt, desto mehr verschwindet er in seinem Werk. Umso länger man sich mit Müller beschäftigt, desto größer die Unlust an Interpretation. Gegen die Deutung der Literaturgeschichte aktiviert sich in jeder Lektüre ein anderer Müller. „Die Welt ist überall anders. Ich glaube nicht an Politik“, sagt ein Matrose in Müllers Stück „Der Auftrag“.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allfälliges | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Der Bau

„Eine Höllenmaschine ist der Bau“

Ausschnitt aus »Der Bau«

Der Bau von Heiner Müller
(nach Motiven des Romans „Spur der Steine“ von Erik Neutsch.)

Heiner Müller (Foto: Matthias Thalheim)

Mit: Valery Tscheplanowa, Jörg Schüttauf, Tilo Werner, Bernhard Schütz, Marina Frenk, Maximilian Brauer, Jürgen Holtz, Mirco Kreibich, Florian Lukas, Martin Reinke, Stephan Grossmann, Michael Wittenborn und Conny Wolter.

Komposition und Arrangements: Michael Hinze. Dramaturgie: Thomas Fritz.  Ton: Holger König und André Lüer. Schnitt: Christian Grund. Hörspielbearbeitung und Regie: Stefan Kanis
(Erstsendung: MDR KULTUR, 8.10.2018)

Als das Deutsche Theater Berlin 1963 Heiner Müller beauftragte, den Roman „Spur der Steine“ von Erik Neutsch zu dramatisieren, erlebte es eine herbe Enttäuschung. Zwar handelte Müllers Stück vom Bau des Wasserwerks auf der mitteldeutschen Großbaustelle Leuna II, stockend durch Materialengpässe und fehlenden Planungsvorlauf, überfordert als Teststrecke für den Einsatz neuartiger Fertigungstechnologien. Und auch die (durch Manfred Krug und die Verfilmung des Romans berühmt gewordene) Zimmermannsbrigade Balla/Barka stand im Zentrum, deren Erfolg auf „Wildwestmethoden“ beruht und die – dank neuem Parteisekretär, altem Bauleiter und Ingenieursabsolventen voller Theorie und Ideale – nun ins Kollektiv eingegliedert werden sollen.
Doch so animiert Müller das Material dieser Gegenwartsgeschichte aufgriff, sein Stück über „Produktivität und die Lust an Produktivität“ geriet zum artifiziellen poetischen Gegenentwurf zum sozialistischen Bestseller – was das Verbot des Stücks bis zur Uraufführung 1980 auf seine Weise bestätigte. „Der ,Bau‘ handelt von der Zerstörung von Landschaft durch Utopie“ – sagt Müller über sein Stück. Ein halbes Jahrhundert später nimmt der Stoff neue Fahrt auf: Eingespannt zwischen den Beschleunigungsstrategien der Akzelerationisten und der haushaltenden Gemütlichkeit derjenigen, für die Arbeitszeit vor allem auch Lebenszeit ist. Oder wie Oberbauleiter Belfert sagt: „Die Zukunft hat einen weiten Schoß, ich kann warten auf die Schrecknisse, die sie für uns bereithält.“

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Boulevard der Barbiere

Barbiershops: Schnell, exakt, aber wirtschaftlich nicht tragfähig

Ausschnitt aus »Boulevard der Barbiere«

Haar- und Nagelpflegeinstitute dicht an dicht: Die Leipziger Straße un Halle a.d. Saale

Boulevard der Barbiere. Feature von Judith Burger.
Sprecherin: Anna Keil. Redaktion: Kathrin Aehnlich.
Ton und Schnitt: Holger Kliemchen. Regie: Stefan Kanis
(Ursendung: MDR KULTUR/rbb kultur, 8.9.2018)

Sie heißen „Nimar“, „Yussef“, „Hasan“, „Hozan“, „Saladin“. Ihre Barbierläden liegen nur wenige Meter von einander entfernt in der Leipziger Straße, die vom Hauptbahnhof in Halle an der Saale hin zum Marktplatz führt.
Sie sind, auf der Suche nach einem neuen Leben, aus ihren Ländern geflohen, der Syrer Nimar, der in Damaskus als Grundschullehrer und Barbier gearbeitet hat, der Kurde Hozan, der nicht als Soldat in den Krieg ziehen wollte und die beiden Schwestern Boran und Nermin, die sich, gegen den Willen des Vaters, mit dem Friseursalon ein selbstbestimmtes Leben aufbauen wollen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Auf die Fresse

ARD RadioTatort

Ausschnitt aus »Auf die Fresse«

Anne Müller als Kommissarin Caroline Griem (Foto: Olaf Parusel/MDR)Auf die Fresse. Kriminalhörspiel von Thilo Reffert. Mit: Nele Rosetz, Anne Müller, Robert Galinowski, Ronald Kukulies, Matti Krause u.a.
Dramaturgie: Thomas Fritz. Ton: André Lüer. Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR Kultur, 21.05.2018)

Florian, Fan des TSC Porta 1897, liegt im Koma. Er wurde bei einer Schlägerei zwischen Ultras rivalisierender Fußballvereine verletzt. Während die Ärzte um sein Leben kämpfen, beginnen Caroline Griem und Annika de Beer vom LKA Magdeburg die Ermittlungen. Doch sie stoßen auf eine Mauer des Schweigens, die mindestens so stabil ist wie der Stahlbeton des Magdeburger Stadions. Kommissarin Griem setzt ihre Hoffnung auf Marcel Lüderitz. Marcel hat über ein Dutzend Einträge in der Gewalttäter-Sport-Datei, aber er hat der Polizei auch schon einmal diskret geholfen, einen Täter zu überführen. Unterdessen verlieren die Ärzte den Kampf um Florians Leben. Oberkommissarin de Beer findet heraus, dass Florians Vater als Szenekundiger Beamter in Zivil genau gegen die Ultras im Einsatz ist, denen sich sein Sohn angeschlossen hatte. Hilft er jetzt bei den Ermittlungen, weil er davon ausgeht, dass sich einer der Ultras mit den tödlichen Schlägen, die Florian während der Prügelei trafen, gezielt an ihm, dem Polizisten, rächen wollte?

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Karl Marx statt Chemnitz

Die Theorie wird zur materiellen Gewalt, wenn sie das MassenMEDIUM RADIO ergreift

Ausschnitt aus »Karl Marx statt Chemnitz«

Karl Marx statt Chemnitz. Hörspiel von Thilo Reffert.Karl Marx
Mit: Jörg Schüttauf, Ulrike Krumbiegel, Thorsten Merten, Carina Wiese, Tilla Kratochwil, Dirk Glodde, Kirsten Block u.v.a.
Schnitt: Hans-Peter Ruhnert. Ton: Holger König. Dramaturgie: Thomas Fritz, Nicole Standtke. Regie: Stefan Kanis
(Ursendung MDR KULTUR, 30.04.2018)

Karl Marx statt Chemnitz ist ein Stück, über das man Dissertationen verfassen kann – und das sich ebenso gut als prima Unterhaltung einfach weghören lässt.“ (Aus der Begründung zur Wahl zum „Hörspiel des Monats“ im April 2018)

Wer mit der Zeit geht, der schaut nach vorn und nicht nach hinten. Das lässt sich der Strategie-Ausschuss des Chemnitzer Stadtrates nicht zweimal sagen. Parteiübergreifend arbeitet man an der Rückumbenennung der Stadt in Karl-Marx-Stadt aus Anlass von Marx‘ 200. Geburtstag. Damit stünde das ehemalige Chemnitz schlagartig im weltweiten Interesse. Denn wer heute Karl Marx sagt, meint nicht mehr das Zerrbild der stalinistischen Kommunisten, sondern einen Denker, der aus der Selbstkritik des Kapitalismus seine weitere Entwicklung gebiert. Die Rückbenennung – ein grandioser Schulterschluss von Stadtmarketing, Popkultur und Wirtschaftsförderung. Da wirken die Anarcho-Aktionen der Aktivistengruppe „Karl Marx statt Chemnitz“ fast wie Störfeuer. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Bleib kurz dran

Mann, Handy, GTI – und eine große Familie!

Ausschnitt aus »Bleib kurz dran«

Bleib kurz dran. Hörspiel von Thilo Reffert. Georg Meyer (Holger Stockhaus) nimmt jedes Gespräch an. (Foto: Olaf Parusel/MDR)
Mit: Holger Stockhaus, Cordelia Wege, Kornelia Boje, Meike Droste, Nina Gummich, Jörg Schüttauf, Ramona Kunze-Libnow u.a. Schlagzeug: Ralf Schneider.
Schnitt: Christian Grund, Ton: Holger König, Dramaturgie: Thomas Fritz. Regie: Stefan Kanis
(Ursendung: MDR Kultur, 10.12.2017)

Bei Georg Meyer läuft es. Warum auch nicht, man muss sich eben ein bisschen ins Zeug legen und sein Leben optimal managen. Als Gruppenleiter Fahrerlebnisplatz hat er einen begehrten Job in der Automobilbranche – und ist gerade unterwegs, um bei der Konkurrenz den Vertrag für einen noch besseren zu unterschreiben: mehr Geld und fast zwei Stunden Pendelei pro Tag weniger, also mehr Zeit für die Familie. Da kann ihn eine Vollsperrung nicht aus der Ruhe bringen. Doch eine Misslichkeit kommt selten allein – aber das spornt einen wie Georg Meyer erst richtig an.

„Holger Stockhaus ist Georg. Er spricht ihn mit ziemlich hoher Stimme, optimistisch, zuversichtlich, auch zunehmend angenervt und um angespannte Ruhe bemüht. Seine Stimmlage ist dem Hörer nicht angenehm. Das genau ist der Trick, das stimmige Mittel, mit dem Stockhaus spielt und das er gnadenlos durchhält. (…) Regisseur Stefan Kanis hat eine großartiges Ensemble perfekt geführt. Dialogregie vom Feinsten, jede Figur ist wie sie ist: schwierig, widersprüchlich, felsenfest von sich überzeugt. Das Tempo bei aller Rasanz nie überzogen, es ist ein fixes, lustvolles und päzises Jonglieren mit Wörtern.“
(Renate Stinn in epd medien, 22.12.2017)

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Viel gut Essen

Ein Sittenbild von Sibylle Berg

Viel gut essen. Hörspiel nach dem Theatertext von Sibylle Berg. Mit: Fabian Hinrichs.
Ton: Holger König. Schnitt: Christian Grund. Dramaturgie: Thomas Fritz. Regie: Stefan Kanis.
(Erstsendung: MDR KULTUR, 29.10.2017 / WDR 3, 02.11.2017 | 54’26)

Ausschnitt aus »Viel gut essen«

Der Mann (weiß, heterosexuell, gesund, aus der Mitte der Gesellschaft und in den besten Jahren, kein Looser) kocht das ultimative Familienrückgewinnungsmenü: erlesene Zutaten, anspruchsvolle Techniken, mehrere Gänge. Leider hat er nicht nur Frau und Sohn eingebüßt, sondern auch seinen Job in der IT-Branche. Die Wohnung ist, seit das Geld fehlt, gekündigt. Dafür wird sein Viertel von Karrierefrauen und Feministinnen, „Kinderwagenbataillonen“ und homosexuellen Paaren besetzt, die „mit nackten Ärschen auf Designer-Sesseln“ lümmeln und aus Riesenboxen Klassik hören, „um sich aus dem Mob auszugliedern“. Von den Ausländern gar nicht zu reden! Sich ermannend auf verlorenem Posten, schnippelt er Gemüse und macht seiner Wut Luft: über die Eurolüge, über die Hipster, die Gentrifizierung und natürlich: die hinterlistigen, lüsternen Asylbewerber. Kann ein Mann wie er denn schweigen, wenn draußen gerade die Welt untergeht? Keine Frage, im Getümmel der Meinungsschlacht überlebt nur, wer alle Register zieht.

Kritik in epd-Medien:
„(…) Die Verschränkung von großbürgerlichem Lebensstil und kleinbürgerlicher Haltung ist mittlerweile ein gängiges Motiv angesichts des Rechtsrucks in Europa. Doch damit will sich Kanis offensichtlich und glücklicherweise nicht zufrieden geben. Sein Mann wird nicht von Volkes Stimme sekundiert, sondern von Richard Strauss, Kate Tempest und vor allem vom Regisseur höchstselbst in seiner Tirade unterbrochen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Erfunde Wahrheit

‚Tatsachenberichte‘ in der Literatur

Erfundene Wahrheit. Feature von Rainer Link. Mit: Viola Sauer und Bernhard Schütz. Redaktion: Kathrin Aehnlich. Regie: Stefan Kanis (Ursendung: 14. Oktober 2017 | MDR KULTUR)

»Erfundene Wahrheit (Ausschnitt)«

Verlage und Autoren leben zu einem beträchtlichen Teil von Tatsachenberichte aus den Krisenregionen unseres Erdballs. Aber, sind all diese abenteuerlichen Berichte wirklich wahr? Darf man den biografischen Texten von reuigen IS-Kämpfern wirklich trauen? Erzählen die Berichte über Reisen durch die mörderischen Stammesgebiete Afghanistans tatsächlich selbst Erlebtes? Haben die zwischen zwei Buchdeckel gepressten Exekutionen in den Krisenregionen Afrikas wirklich stattgefunden?
Die Liste der „Verfehlungen“ ist lang und reicht von der gefälschten Autobiografie der Kölner Reisejournalistin und Buchautorin Ulla Ackermann („Mitten in Afrika – Zuhause zwischen Paradies und Hölle“ (2003 Hoffmann und Campe Hamburg) mit der sie es wochenlang auf die Spiegelbestsellerliste schaffte, Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Kunst in Kernichau

zu gut fürs Depot

Kunst in Kernichau - Das Logo
»Zwischen Skylla und Charybdis«

Kunst in Kernichau – zu gut fürs Depot. Kurzhöspielreihe von und mit Judith Burger und Stefan Kanis. Ton: Holger Kliemchen. (Ursendung: 2.-6. Oktober 2017, MDR KULTUR)

In Mitteldeutschland liegt die mittelgroße Stadt Kernichau, die Saale fließt mitten hindurch. Hier befindet sich auch das kleine Kunstmuseum, in dem Museumsdirektor Ricardo Knallzig gemeinsam mit seiner Assistentin Astrid unermüdlich wirkt und wirbt – für die große Kunst. Hier werden Sonderausstellungen kuratiert, Leihgaben präsentiert und – es ist kaum zu verbergen: Herr Knallzig hat ein Faible für die moderne Kunst. Nichts ist zu groß für das traditionsreiche Haus, meint Direktor Knallzig. Da wird Astrid zur Stimme der Vernunft: Nicht alles was geht, geht auch in Kernichau. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Medienpreis der Evangelischen Kirche 2017 !

„Die meisten Afrikaner…“ erhält Robert Geisendörfer Preis 2017

Robert Geisendörfer Preis

Das Hörspiel „Die meisten Afrikaner können nicht schwimmen“ erhält den diesjährigen Robert Geisendörfer Preis. Ausgezeichnet werden Holger Böhme (Autor), Eva Löbau und Devid Striesow (Darsteller) sowie Stefan Kanis (Regie).

Die Jurybegründung:
Ein junges Paar hat bei einer Yachttour afrikanische Flüchtlinge in Seenot aufgenommen. Es geht um das schlechte Gewissen derjenigen, die in den Geretteten plötzlich Verbrecher zu erkennen glauben. Dicht und zugleich leicht inszeniert, sorgt das Hörspiel in jeder Sekunde für Spannung, auch dank des virtuosen und realistischen Spiels seiner Darsteller.

»Die meisten Afrikaner können nicht schwimmen

Download und Streaming

(Das ganze Stück)

Ausgezeichnet wurden je zwei Radio- und TV-Produktionen sowie zwei Kinderfernsehstücke. Es wurde ein Sonderpreis vergeben. Der zweite Radio-Preis ging an das BR-Feature „Schöner neuer Wahn. Eine Verschwörungstheorie Marke Eigenbau“.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Wahl haben

Wie politisch ist die Jugend

Ausschnitt aus »Die Wahl haben.«

Greizer Jugendliche kommen zur Wort. (Stadtpanorama Greiz / Rechte: André Karwath, CC BY-SA 2.5, Wikipedia)Die Wahl haben. Wie politisch ist die Jugend. Feature von Maximilian Klein. Sprecher: Nico Holonics. Redaktion. Kathrin Aehnlich. Ton: Holger König. Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR KULTUR 09.09.2017 | 29’01)

Etwa drei Millionen Jugendliche dürfen im September zum ersten Mal wählen. Das sind fast fünf Prozent der Wahlberechtigten – ein großes Potential. Was bewegt diese Generation? Was soll sich ändern? Am „Ulf Merbold Gymnasium“ im thüringischen Greiz diskutiert eine Klasse der Abiturstufe über ihr „erstes Mal“. Interessiert sie die Politik überhaupt? Oder sind Berlin und Brüssel zu weit weg?

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

CIVIS – Preis für die „Kastanien“

Wiederum Freude

„Sehr nachdenklich, sehr komisch, sehr politisch – ein brillantes Hörspiel“, so die Jury des Europäischen CIVIS Radiopreises 2017

Civis Preis Hörer

 

Ingo Zamperoni, Marina Frenk und Stefan Kanis bei der CIVIS-Preisverleihung

»Jenseits der Kastanien (Ausschnitt)«

Text, Musik, Spiel: Marina Frenk
Bearbeitung, Schnitt, Regie: Stefan Kanis

Die Gewinner

Das Stück bei MDR KULTUR

Die Begründung der Jury:
»Eine starke beeindruckende Stimme, ein musikalischer Genius. Die Autorin erzählt von ihrer eigenen Integration, aus verschiedenen und überraschenden Perspektiven. Mal wütend gegen Vorurteile und rassistisches Schubladendenken, dann wieder zärtlich in der Erinnerung, mit Leidenschaft und entwaffnendem Humor. Das Hörspiel erzählt in präzisen Bildern vom Daheimsein im Unbekannten. Es geht um Migration, Heimat, Herkunft. Es geht um Begegnungen und gegen Vereinnahmung und Ausgrenzung. Sehr nachdenklich, sehr komisch, sehr politisch – einfach brillant. Ein Meisterwerk.«

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Lutherland

Gnade, wem Gnade gebührt

Ensemble LUTHERLAND (Foto: MDR/Olaf Parusel, Thekla Harre)»Lutherland« Folge 3

»Lutherland« Folge 3

Lutherland. Hörspielserie in 10 Folgen von Lorenz Hoffmann.
Mit Stephan Grossmann, Hedi Kriegeskotte, Bernhard Schütz, Walter Renneisen, Carina Wiese, Charlotte Müller, u.v.a.
Dramaturgie: Thomas Fritz. Musik: Michael Hinze. Schnitt: Christian Grund. Ton: Holger Kliemchen.
Regie: Stefan Kanis (Erstsendung: MDR FIGARO, 15.-26.05.2017)

 

„Der biografische Transfer des Reformators zu seiner gegenwärtigen Inkarnation und die damit verbundenen Umdeutungen sind gewitzt, spielerisch und intelligent erdacht und inszeniert.“
(Aus der Jurybegründung zum „Hörspiel des Monats“, Mai 2017)

 

Die Reihe bei MDR KULTUR

„Incarnated Message Concept“ heißt das Zauberwort, mit dem die Agentur „Meschwitz & Friends“ der Evangelischen Kirche Deutschlands die erhoffte Medien-Präsenz sichern will. Im Jubeljahr 2017 soll die Luther-Beauftragte der EKD bei ihren zahlreichen öffentlichen Auftritten den wuchtigen Reformator nicht bloß zitieren, sondern sich de facto an seiner Seite zeigen: „Das Wort wird Fleisch!“ Winfried Schaller, noch vor kurzem ein populärer Volksschauspieler, soll ihn verkörpern – da passt nicht nur Maske und Habitus, da fehlt es auch nicht an Querköpfigkeit, nicht einmal an Cholerik. Der allerdings hat sich sein Comeback keinesfalls als Talkshow-Maskottchen von Margot Käßmann vorgestellt. Je mehr er freilich die Luther-Schriften durchforstet, desto mehr kann er dem kirchen- und gesellschaftskritischen Donnerer abgewinnen. Bald macht es ihm Spaß, als Geist von Luthers Gnaden in die Gegenwart zu fahren und sie – wie seine Auftrittskonzepte – gehörig durcheinander zu wirbeln. Als Blogger DER LUTHER schart er Follower um sich, die „Kirchenland in Bauernhand“-Aktivisten finden in ihm einen prominenten Fürsprecher. Und bald fürchtet die EKD nichts so sehr, wie seinen Auftritt beim Festgottesdienst auf den Wittenberger Elbwiesen – völlig zu Recht, wie sich zeigt.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

„Jenseits der Kastanien“ zum CIVIS Medienpreis nominiert

Europäischer CIVIS Medienpreis – 27 Programme aus 783 Einreichungen in der Endrunde

Logo_CIVIS_MedienstiftungDas Mixed-Genre-Stück „Jenseits der Kastanien“ (Text und Performance: Marina Frenk / Bearbeitung und Regie: Stefan Kanis) ist in der Kategorie „Radiopreis – Lange Programme“ gemeinsam mit drei weiteren Produktionen nominiert.

Die Nominierten

Das Stück bei MDR KULTUR

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Wie ein Altenburger Fußballspiel zu Honeckers Chefsache wurde

Der Fußball ist rund wie die Welt

Ausschnitt aus »Wie ein Altenburger Fußballspiel zu Honeckers Chefsache wurde«

Wie ein Altenburger Fußballspiel
zu Honeckers Chefsache wurde
.
Fussball auf T-ShirtFeature von Naomi Conrad und Michael Hartlep.
Mit: Holger Stockhaus und Martin Seifert. Redaktion: Kathrin Aehnlich. Schnitt: Hans-Peter Ruhnert. Ton: Holger König.
Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR FIGARO 01.04.2017 | 29’29)

Rudi Spindler ist ein Fußballfan, ein Fanatiker, wie er selbst zugibt. In seinem Keller stapeln sich vergilbte Hefte mit den handgeschriebenen Berichten aller Spiele, die er gesehen hat. Selbst gespielt hat er in den 1970er Jahren bei der „Betriebssportgemeinschaft (BSG) Wismut Altenburg“ und nie hätte er geglaubt, dass ihn seine Fußballbegeisterung in das Visier der Staatssicherheit bringen könnte.
Am Rande eines Europacupspiels in Prag trifft er 1981 auf Theo Finzel aus Frankfurt am Main. Am Biertisch beschließen die beiden Fußballfans ein deutsch-deutsches Freundschaftsspiel: „Gulf Atletico 71 Frankfurt“ gegen die „Alten Herren der BSG Wismut“. Aus sportlicher Sicht ist das Spiel auf dem Altenburger Postsportplatz eine Nebensache, politisch gesehen jedoch nicht, denn viele der Altenburger Spieler arbeiten im Bergbauunternehmen „Wismut“, das Uran für die sowjetische Autoindustrie fördert. Grund genug für die Genossen der Staatssicherheit den Vorfall nach Berlin zu melden.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Fallensteller

Erzählungen von Saša Stanišić

Ausschnitt aus »Fallensteller« mit Sandra Hüller

Ausschnitt aus »Fallensteller« mit Ulrike Krumbiegel

Es lesen Sandra Hüller und Ulrike Krumbiegel.Saša_Stanišić (By Lesekreis (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons)
Regie: Stefan Kanis (Erstsendung: MDR KULTUR ab 15. März 2017)

Saša Stanišić zeigt sich in seinen 2016 erschienenen Erzählungen als Provokateur des Möglichkeitssinns. Es ist nicht ausgemacht, dass eine stille Leidenschaft, eine hartnäckige Phobie oder auch der schiere Übermut nicht nur zum Wohle seiner Figuren, sondern auch zum Nutzen der Leser*innen wirken. Da wäre zum Beispiel der Hobbymagier, der Jahrzehnte auf seinen Auftritt wartet. Ein halbes Leben hat er als Angestellter im Sägewerk seines Bruders gearbeitet und nie Großes erreichen wollen. Und nun scheint auch dieser Auftritt danebenzugehen, das Publikum des Dorffestes hebt kaum den Kopf, da er sein Programm annonciert. Aber der alte Mann wird überrascht werden; unerwartet wächst ihm Unterstützung zu und trägt ihn hinaus über das, was ihm stets gültig schien, aber das er, wie ihm nun klar wird, doch nie akzeptiert hatte. Weiterlesen
Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Lückenlose Illusion

VR als simulierte Teilhabe

Lebt die Kunst nicht von der Vorstellung, dass es etwas anderes gibt? Das Andere, das Abwesende. Was täglich ohne weiteres geschieht, nennen wir Realität. Ob sie gut ist oder schlecht; sie hat die Qualität des Anwesenden. Seit der Mensch jedoch über Spuren von Freizeit verfügt, über Energie, die über Reproduktion hinausgeht, beschäftigt ihn das Abwesende. Dieses Abwesende wünscht sich nicht nur Alternativen zum dreidimensionalen Hier und Jetzt, sondern es ist auch u-topisch im Ort seiner ‚Realisierung‘. Das Abwesende lebt in der Imagination, es trägt fabulierenden Charakter. Die Literatur zum Beispiel, auch wo sie ihre Schauplätze satt mit Realien tränkt, ist dem Kanon der Imagination verpflichtet. Kunst – und das ist hier der Punkt – geht nicht über unsere Erfahrung hinweg, sie sucht das Abwesende, muss dazu aber im Eigenen beginnen. Jede Zeile Belletristik, jede Note, jedes Bild tritt als Frage in unser Bewusstsein. Nur in unserer Antwort entsteht das Andere. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allfälliges | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Jenseits der Kastanien

Daheimsein im Fremden / im Spiegel von Paul Celan

»Jenseits der Kastanien (Ausschnitt)«

Jenseits der KastanienJenseits der Kastanien von Marina Frenk.
Mit Dimitrij Schaad und Marina Frenk. Vertonung der Paul-Celan-Gedichte: Marina Frenk.
Dramaturgie: Thomas Fritz. Ton: Holger König, André Lüer und Holger Kliemchen
Hörspielbearbeitung und Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR KULTUR 27.11.2016 | 55’44)

 
»…Marina Frenk erzählt ihre eigene Geschichte in einer Form, wie es die „Experten des Alltags“ in den Stücken des Ensembles ‘Rimini Protokoll’ tun – als Darstellerin ihrer selbst. Diese Differenz muss immer mitgedacht werden und sie realisiert sich in ihrem Hörspiel „Jenseits der Kastanien“ (Bearbeitung und Regie: Stefan Kanis) in gleich mehreren Differenzen. Denen zwischen dem Geschriebenen, dem Gesagten, dem Gesprochen und dem Gesungenen. (…) Marina Frenks Reflexionen über die Migration sind von großer Leichtigkeit und Selbstironie getragen und von mindestens einer so großen Vitalität wie ihre Performance in dem Hörspiel „Und jetzt: Die Welt“, für das sie in diesem Jahr zusammen mit der Autorin Sibylle Berg mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet wurde…«
(Jochen Meißner, Medienkorrespondenz 25/2016)

»…Mit einem Anflug von Improvisation, zugleich aber durchdacht erzählt die junge Schauspielerin,  die 1993 siebenjährig von Moldawien nach Deutschland kam, hier aus ihrer Biografie. Dabei geht es nicht um ihren Bildungsweg, Karrierereport oder Beziehungsgeschichten. Zentral vergegenwärtig sie Schlüsselszenen der Kindheit. Der Regisseur Stefan Kanis dosiert und arrangiert den Lebensstoff der Immigrantin in spannungsreicher Montage, die um Verluste und Glückschancen kreist. (…) Eine zeitlang wartet man im Hörstück darauf, dass sie endlich einmal erzählt, wie sie Künstlerin wurde. Sie tut dies aber nicht. Doch im Rückblick auf das ganze Stück begreift man: Ihr Talent spricht für sich.«
(Eva-Maria Lenz, epd-medien 50/2016)

»Eine starke beeindruckende Stimme, ein musikalischer Genius. Die Autorin erzählt von ihrer eigenen Integration, aus verschiedenen und überraschenden Perspektiven. Mal wütend gegen Vorurteile und rassistisches Schubladendenken, dann wieder zärtlich in der Erinnerung, mit Leidenschaft und entwaffnendem Humor. Das Hörspiel erzählt in präzisen Bildern vom Daheimsein im Unbekannten. Es geht um Migration, Heimat, Herkunft. Es geht um Begegnungen und gegen Vereinnahmung und Ausgrenzung. Sehr nachdenklich, sehr komisch, sehr politisch – einfach brillant. Ein Meisterwerk.«
(Aus der Jury-Begründung zum CIVIS – Europäischer Medienpreis 2017)

 

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Schicksal – Ü40?

Endzeit fürs Tanzen

»Schicksal – Ü40? (Ausschnitt)«

Schicksal – Ü40? Feature von Judith Burger.Das Eingangsschild des legendären Leipziger Clubs »Ilses Erika«
Sprecherin: Anja Schneider.
Redaktion: Kathrin Aehnlich: Schnitt: Christian Grund. Ton: Holger König.
Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR KULTUR 17.09.2016 | 29’04)

Download und Streaming

(Das ganze Stück)

Tanzen gehen, durch die Clubs ziehen gilt oft als Privileg jüngerer Leute. Was aber, wenn man mit Anfang 40 merkt, dass die Kinder keine Abendbetreuung mehr brauchen und alles von vorn beginnen könnte? Doch da ist das deutliche Gefühl, dass man nicht mehr dazugehört. Man ist zu alt, um sich bei den ganz jungen wohlzufühlen, aber zu jung, um sich zu den Alten zu rechnen. Plötzlich wird man in der Disco gesiezt, und es wird einem bewusst, dass die eigene Jugend vorüber ist. Auf Nimmerwiedersehen.
Damit will sich die Autorin Judith Burger nicht abfinden. Sie wandelt auf den nächtlichen Pfaden ihrer Jugend, trifft einen fast 50 jährigen DJ und andere älter werdende „Vögel der Nacht“.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar