Ramsch

Urteile und Vorurteile

»Ramsch« – Ausschnitt

Grafik: ARD/Jürgen FreyRamsch. ARD RadioTatort von Dirk Laucke
Mit: Maike Knirsch, Johannes Kienast, Katja Bürkle, Matthias Reichwald, Henning Peker, Anna Sophie Schindler, Raschid D. Sidgi, Marianna Linden, Franziskus Claus und Peter Schneider. Dramaturgie: Nicole Standtke. Ton: André Lüer. Schnitt: Steffen Brosig. Regie: Stefan Kanis (Ursendung: ARD ab 10.08.2021)

Polizeimeisterin Nancy Ritter und Marchlewski ermitteln für Gesche Kraus vom LKA im Fall einer ermordeten jungen Mutter aus prekären Verhältnissen. Nancy gerät nicht nur in Konflikt mit ihrer eigenen Herkunft, sondern auch mit ihrem Bruder Tommi. Kriminalisiert die Polizei arme Menschen? Und was geschieht mit deren Kindern? Als auf dem Lörbener Recyclinghof die Leiche von Kathrin Fräse, einer jungen Mutter mit Drogenvergangenheit, gefunden wird, erkundigt sich Polizeimeisterin Nancy Ritter gleich bei ihrem Bruder Tommi – kennt der sympathische Chaot die Tote? Und mehr noch: was weiß Tommi über Aaron Pfeiffer, den Partner des Mordopfers? Aber Tommi und seine Partnerin Steffi Schultz sind gerade selbst Eltern geworden und sehen die Ermittlungen gegen Aaron von klassistischen Vorurteilen gelenkt. Als Aaron abhaut, um dem Jugendamt zuvor zu kommen, welches ihm die Kinder entziehen will, wird dies von den Ermittler*innen als Indiz für Aarons Täterschaft gedeutet. Dabei führen die Spuren nicht nur ins Drogenmilieu, sondern auch in das Berufsförderungswerk Integra, in dem das Mordopfer den „beruflichen Wiedereinstieg“ auf den ersten Arbeitsmarkt trainierte.
Das Hörspiel beleuchtet neben dem sozialen und familiären Hintergrund der Geschwister Ritter auch die alltägliche und behördliche Diskriminierung von Marginalisierten und Deklassierten – der sogenannten Unterschicht, White Trash, Prolls und „Assis“.

Dirk Laucke wurde 1982 in Schkeuditz geboren, wuchs in Halle auf und studierte 2004 – 2008 Szenisches Schreiben an der UdK Berlin. Er schreibt für Theater, Film und Hörspiel und führt gelegentlich auch Regie. Dirk Lauckes Stücke setzen sich engagiert und konkret mit sozialen Widersprüchen auseinander und werden an deutschen Bühnen vielfach inszeniert. Für „alter ford escort dunkelblau“ erhielt er 2006 den Kleist-Förderpreis für junge Dramatik, eine Hörspielinszenierung des Textes entstand 2008 bei MDR KULTUR. 2011 folgte „Start- und Landebahn“. 2010 erhielt Laucke den Dramatikerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI, 2011 den Georg-Kaiser-Förderpreis des Landes Sachsen-Anhalt. Seit 2020 schreibt er die MDR-Tatorte für die beliebte Hörfunk-Krimireihe der ARD.

 

 

 

 

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