{"id":996,"date":"1997-12-01T19:22:27","date_gmt":"1997-12-01T18:22:27","guid":{"rendered":"http:\/\/sperrsitz.net\/?p=996"},"modified":"2011-02-06T12:10:31","modified_gmt":"2011-02-06T11:10:31","slug":"dekoration-oder-anspruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996","title":{"rendered":"Dekoration oder Anspruch?"},"content":{"rendered":"<h3>Sieben Jahre Leipziger \u00bbeuro-scene\u00ab<\/h3>\n<p>Die Messestadt Leipzig zehrt vom Ruhm vergangener  Tage:   Die Theaterreform der Neuberin &#8211; sekundiert vom trockenen Gottsched,  die   Leipziger Mustermesse &#8211; zu Honeckers Zeiten Ost-West-Drehscheibe und  Objekt der   vielf\u00e4ltigsten \u00f6konomischen Begierden, das Gewandhaus &#8211; die Zentrale  der   musikalischen Hochkultur au\u00dferhalb Ostberlins. Und schlie\u00dflich: der  \u201889er   Herbst als Hort der friedlichen Revolution. In den Leipziger Montags   Demonstrationen sch\u00fcrzt sich denn auch in Leipzig der Knoten wirklichen    Ereignens. Nach der Wende versinkt die s\u00e4chsische Metropole in den  K\u00e4mpfen und   Kr\u00e4mpfen der Existenzsicherung. Es greifen beispielhaft alle Ma\u00dfnahmen  der   fiktionalen und spekulativen Wirtschaftspolitik. Leipzig wird zum   Banken-Zentrum des Ostens geadelt. Der \u201eSpiegel\u201c erhebt die mittlere  Gro\u00dfstadt   in einer Titelgeschichte zur Metropole der Drei\u00dfigj\u00e4hrigen. In den  Aufbau der   Neuen Messe flie\u00dfen Hunderte Millionen. Allerlei Unternehmensberater  erw\u00e4gen   das zuk\u00fcnftige Image der Stadt. Messestadt Leipzig, Kulturstadt  Leipzig,   Kongre\u00dfstadt Leipzig. Spekuklantenstadl. Verwaltung der Stagnation  einerseits   und hemmungsloser Zweckoptimismus andererseits verdr\u00e4ngen wiederum  innovative   Impulse. Der \u00c4rger bleibt freilich nicht aus. Der s\u00e4chsische  Rechnungshof weist   seinem Gewandhaus unvertretbare \u00dcberausgaben nach, die superteure  Mustermesse   spielt noch lange keine internationale Rolle und auch die Darstellende  Kunst   erinnert verdammt an Gottsched. Dieser hypertrophierten  Durchschnittlichkeit   entspricht zu guter letzt auch noch der Mangel an journalistischer  Reflexion.   BILD und Leipziger Volkszeitung sind die einzigen \u00f6rtlichen  Tageszeitungen,   beide aus dem Hause Springer.<!--more--><\/p>\n<p>Die Aufgabenteilung der Leipziger Darstellenden  K\u00fcnstler   entspricht den Konventionen. Ein Opernhaus, eine Operettenhaus, ein   Schauspielhaus mit Nebenspielst\u00e4tten. Eins und eines und eins macht in  Leipzig   wie vielerorts nur drei. Die Multiplikatoren sucht man vergebens. Jeder  schafft   so gut er kann. Udo Zimmermanns Oper hat, was die k\u00fcnstlerische  Qualit\u00e4t   angeht, die Nase vorn. Im vergangenen Jahr k\u00fcrten die Musikkritiker  sein Haus   zum besten Musentempel Deutschlands. Damit kann der Leipziger leben,   interessiert doch ohnehin nur Minderheiten, was an musiktheatralen  Novit\u00e4ten in   Leipzigs Zentrum vom nationalen Feuilleton beklatscht wird. Innovative   k\u00fcnstlerische Eigenleistungen sind au\u00dferhalb des musikalischen Sektors  denn   auch d\u00fcnn ges\u00e4t. Verschiedene Festivals bem\u00fchen sich, diese L\u00fccken zu   schlie\u00dfen. Die das siebte Mal stattfindende \u201eeuro-scene\u201c, Festival   zeitgen\u00f6ssischen europ\u00e4ischen Theaters, ist unter ihnen das wichtigste.  Der nur   zu offensichtliche Bedarf garantiert jedoch keinen Bestand vorm  Rotstift. Die   frisch beschlossene Aufl\u00f6sung des Tanztheaters am Leipziger  Schauspielhaus   lehrt k\u00fcnstlerischen Minderheiten die s\u00e4chsischen Noten.  Schauspielintendant   Engel war nicht bereit, am Budget der Sprechtheaters zugunsten der  anderen   Sparte zu sparen. Sortimentsbereinigung. In Leipzig \u00fcberlebt nur, wer   Grundversorgung gew\u00e4hrleistet, marketingkompatibel ist und\/oder verbal  nach den   Sternen greift. Die \u201eeuro-scene\u201c hat also allen Grund zu bef\u00fcrchten,  dem   k\u00fcnstlerischen Dienst nach Vorschrift geopfert zu werden.<\/p>\n<p>In einem kleinen B\u00fcro ringt die k\u00fcnstlerische  Leiterin   Ann-Elisabeth Wolff ein Jahr lang um die einw\u00f6chige Pr\u00e4sentation des  \u201eanderen   Theaters\u201c in einem kleinb\u00fcrgerlichen Kunstbetrieb. Die l\u00e4cherlich  geringe   Anzahl an Mitarbeitern, ABM-Stellen zumeist, macht Selbstausbeutung zum  Alltag   &#8211; manch einer der eingeladenen K\u00fcnstler wird sein Leben komoder  gestalten als   Frau Wolff. Freilich, das eine sagen, das andere tun &#8211; dies ist auch an  der \u201eeuro-scene\u201c   nicht restlos vorbeigegangen. Das ehrgeizige Motto des Festivals  lautet:   \u201eVision Europa &#8211; dem Fremden eine T\u00fcr\u201c. Die inkommensurable Kraft des  \u2018anderen\u2019   als Provokation &#8211; wenn es dies als Zeigbares, den Zw\u00e4ngen der  Repr\u00e4sentation   unterworfenes \u00fcberhaupt gibt &#8211; dem sich anzun\u00e4hern, hatte die  \u201eeuro-scene\u201c   lange keinen Mut. In den Er\u00f6ffnungsveranstaltungen und Abschlu\u00dfgalas  der   vergangen Jahre dominierte h\u00e4ufig das formale K\u00f6nnen, die t\u00e4nzerische  Attit\u00fcde,   die Erstarrung der neuen Form in sich selbst. Die Einladung von  Kresniks   \u201eFrancis Bacon\u201c oder Jan Fabres Inszenierung der Medienikone Hannelore  Elsner   in \u201eEine tot-normale Frau\u201c waren so der Versuch der \u201eeuro-scene\u201c, dem   Westeuropa der Sommer- und Tanzfestivals ein paar bezahlbare Facetten   abzuluchsen. Allzu h\u00e4ufig lag die Objektivierung und \u00e4sthetische   Harmonisierung, die Sucht nach Geschlossenheit und Perfektion inklusive  des   exaltierten Kicks wie ein lauwarmes Tuch \u00fcber den Produktionen der  letzten   Jahrg\u00e4nge. Vielleicht ist es die Beherztheit der totalen  Existenzbedrohung, die   diesen siebten Jahrgang auf einen Weg schickt, der sp\u00fcrbaren  konzeptionellen   Anspruch mit einer bewu\u00dft integrierenden Geste zu vereinen wu\u00dfte.<\/p>\n<p>Die Soc\u00ecetas Raffaello Sanzio er\u00f6ffnete mit  \u201eGiulio   Cesare\u201c, einem sperrigen, \u00fcberlegten Anti-Lehrst\u00fcck \u00fcber Sprache,  K\u00f6rper und   Ideologie. In dieser Shakespeare-Adaption kann Mark Antonius fast nicht    sprechen. Dem Schauspieler Dalmazio Masini raubte eine Krankheit die  Stimme.   Eine elektronische Apparatur ersetzt nun die nat\u00fcrliche  Spracherzeugung.   Regisseur Romeo Castellucci verschaltet die elektroakustischen Signale  der   rudiment\u00e4ren Sprechwerkzeuge direkt mit der Verst\u00e4rkeranlage des  Theaters. Der   Rachen des Rhetorikers Antonius &#8211; \u201eBrutus ist ein ehrenwerter Mann\u201c &#8211;  ist die   Diamantspitze am Anfang des Tonarms, ist der Laserstrahl des  CD-Players.   Unwirklich bis zur Groteske, verzerrt zwar, aber frei von jeder  \u2018verzerrenden\u2019,   von ihm unabh\u00e4ngigen menschlichen \u00dcbermittlung versendet Antonius  Ideologie.   Orator oder Rhetoriker &#8211; die romanischen Sprachen kennen diese  Unterscheidung.   W\u00e4hrend jener die Sprache beherrscht und im Sinne aufkl\u00e4rerischen  Denkens   einsetzt; nutzt dieser deren medialen Eigenwert f\u00fcr seine  demagogischen,   antidemokratischen Zwecke, er stellt dar, was nicht ist, er evoziert  Falsches.   Castellucci bezieht seine gesamte Inszenierung in dieses Schwanken  zwischen   L\u00fcge und Wahrheit mit ein. Ein Alter Mann erregt unser Mitleid. Kurz  darauf   dreht eine mechanische Katze ihren Kopf in rasender Geschwindigkeit um  sich   selbst und entlockt dem Publikum unfreiwillige Heiterkeit. Der alles   \u00fcberlagernde Soundtrack k\u00fcndet von diffusem Unheil. In einem  aufwendigen Taumel   der Symbole schafft Castellucci eine theatrale Versuchsanordnung \u00fcber  die   Mitteilbarkeit von Geschichte, ein trauerndes Gegenbild zu Peter Brooks  \u00bbQui   est la\u00ab.<\/p>\n<p>Das Deutschland-Doppel-Projekt von Gabriele  Bu\u00dfacker und   Jo Fabian schlie\u00dft sich dem \u2018konzeptionellen\u2019 Einstieg der \u201eeuro-scene  \u201897\u201c an.   Eine ost- und eine westdeutsche Sicht auf die deutsche Vergangenheit.  Die   Hamburgerin Bu\u00dfacker w\u00e4hlt sich den Blickwinkel \u201968. Das Kernst\u00fcck  ihres Abends   \u201eDe Utschl And\u201c entsteht aus ironischen Debatten zwischen den Akteuren  und   ihren eigenen im Video gedoppelten Ichs. Was als Parodie auf den Gestus  der   Wohnzimmerrevolution\u00e4re ansetzt, entfaltet sich in exakten  Schnittfolgen zu   einer umfassenden Inszenierung der Hilflosigkeit. Die spezifische  Stilistik der   Aufbereitung und Komposition des \u2018Materials\u2019 dominieren konsequent die  Gestalt   des Theaterabends. Eigenheiten der Bu\u00dfackerschen Kompanie, die   Sprach\u00fcberbehandlung, Dehnung und Akzentuierung des Gesprochenen,  konvergieren   letztlich mit ihrem \u2018Thema\u2019: Die Selbstdarstellung der Politik in  Sprache &#8211; das   Genie\u00dfen des Sprechen-K\u00f6nnens als Hebel der Macht. Was vor Jahren noch   kritisiert worden w\u00e4re, die Erweiterung der exemplarischen  Gestaltungsweise der   Moderne, der Montage, um eine h\u00f6chst individuelle, lustvolle  Kennzeichnung, um   das bewu\u00dfte Signieren, ist heute legitimer Impuls gegen postmoderne   Kompatibilit\u00e4t. Ob die individuelle Kennzeichnung dem Material, der  Sache   \u2018dient\u2019, fragt Bu\u00dfacker nicht mehr. Ebenso Jo Fabian. Seinen Abend \u201ePax    Germania\u201c erleben wir als Grundlinienspiel der DDR-B\u00fcrger. Vierzig  Minuten lang   simulieren acht Spieler ihren Alltag der kleinen Liebschaften und  fruchtlosen   Streitereien &#8211; immer in einer Reihe. Wenn die Mauer f\u00e4llt, schieben sie  sich   zielstrebig, aber hilflos nach vorn. Zum Ende ist eine obskure  Dreier-Formation   als letzter Sendbote des Sozialismus den Zuschauern bedrohlich nahe  ger\u00fcckt.   Auch Fabian verlagert seine erprobten gestalterischen Mittel, die   Verlangsamung, die Wiederholung, die minimalen Entwicklungen innerhalb   serieller Prozeduren, in sein \u2018Thema\u2019. Auch er verweigert dabei eine   anverwandelnde Aufarbeitung, sondern individualisiert die Erinnerung  von   Geschichte radikal. Insofern passen Bu\u00dfacker und Fabian besser  zueinander, als   man glauben mag.<\/p>\n<p>Der Dialog zwischen der italienischen und den  beiden   deutschen Arbeiten strukturiert das Festival, entfernt es vom Potpourri  eines   beliebigen Avantgardebegriffes. Arbeiten wie Alain Platels  Autoscooterballett   \u201eBernadette\u201c bedienen dagegen mit ihrem Event-Charakter eben jene   Highlight-Kultur, der sich Leipzig auf breiter Front andient.  Naturgem\u00e4\u00df   schlagen eben jene spektakul\u00e4ren Easy Living &#8211; Produktionen mit der  Frechheit   des scheinbar Unmittelbaren Br\u00fccken in Zuschauerschichten, die sich vom    verstaubten Schauspiel l\u00e4ngst abgewandt haben. Ohne deren Interesse und    Nachfrage wird progressive Kunst in Leipzig in den n\u00e4chsten Jahren  nicht zu   haben sein. Der achten \u00bbeuro-scene\u00ab bleibt bei der Feinabstimmung  zwischen   Publikumspflege und konzeptionellen Konturen eine gl\u00fcckliche Hand zu  w\u00fcnschen.<\/p>\n<p><em>Stefan Kanis  (Der Freitag, Dez 1997)<\/em><\/p>\n<p>euro-scene Leipzig |  <a href=\"http:\/\/www.euro-scene.de\/\" target=\"_blank\">www.euro-scene.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>:Sieben Jahre Leipziger \u00bbeuro-scene\u00ab:<br \/>\nDie Messestadt Leipzig zehrt vom Ruhm vergangener Tage: Die Theaterreform der Neuberin &#8211; sekundiert vom trockenen Gottsched, die Leipziger Mustermesse &#8211; zu Honeckers Zeiten Ost-West-Drehscheibe und Objekt der vielf\u00e4ltigsten \u00f6konomischen Begierden, das Gewandhaus &#8211; die Zentrale der musikalischen Hochkultur au\u00dferhalb Ostberlins. Und schlie\u00dflich: der \u201889er Herbst als Hort der friedlichen Revolution. In den Leipziger Montags Demonstrationen sch\u00fcrzt sich denn auch in Leipzig der Knoten wirklichen Ereignens. Nach der Wende versinkt die s\u00e4chsische Metropole in den K\u00e4mpfen und Kr\u00e4mpfen der Existenzsicherung. Es greifen beispielhaft alle Ma\u00dfnahmen der fiktionalen und spekulativen Wirtschaftspolitik. Leipzig wird zum Banken-Zentrum des Ostens geadelt. Der \u201eSpiegel\u201c erhebt die mittlere Gro\u00dfstadt in einer Titelgeschichte zur Metropole der Drei\u00dfigj\u00e4hrigen. In den Aufbau der Neuen Messe flie\u00dfen Hunderte Millionen. Allerlei Unternehmensberater erw\u00e4gen das zuk\u00fcnftige Image der Stadt. Messestadt Leipzig, Kulturstadt Leipzig, Kongre\u00dfstadt Leipzig. Spekuklantenstadl. Verwaltung der Stagnation einerseits und hemmungsloser Zweckoptimismus andererseits verdr\u00e4ngen wiederum innovative Impulse. Der \u00c4rger bleibt freilich nicht aus. Der s\u00e4chsische Rechnungshof weist seinem Gewandhaus unvertretbare \u00dcberausgaben nach, die superteure Mustermesse spielt noch lange keine internationale Rolle und auch die Darstellende Kunst erinnert verdammt an Gottsched. Dieser hypertrophierten Durchschnittlichkeit entspricht zu guter letzt auch noch der Mangel an journalistischer Reflexion. BILD und Leipziger Volkszeitung sind die einzigen \u00f6rtlichen Tageszeitungen, beide aus dem Hause Springer. <a href=\"https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[98,97,127,128,126,125],"class_list":["post-996","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-theater","tag-ann-elisabeth-wolff","tag-euro-scene","tag-gabriele-busacker","tag-jo-fabian","tag-romeo-castellucci","tag-societas-raffaello-sanzio"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Dekoration oder Anspruch? &#8211; Sperrsitz.net<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Dekoration oder Anspruch? &#8211; Sperrsitz.net\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\":Sieben Jahre Leipziger \u00bbeuro-scene\u00ab: Die Messestadt Leipzig zehrt vom Ruhm vergangener Tage: Die Theaterreform der Neuberin - sekundiert vom trockenen Gottsched, die Leipziger Mustermesse - zu Honeckers Zeiten Ost-West-Drehscheibe und Objekt der vielf\u00e4ltigsten \u00f6konomischen Begierden, das Gewandhaus - die Zentrale der musikalischen Hochkultur au\u00dferhalb Ostberlins. Und schlie\u00dflich: der \u201889er Herbst als Hort der friedlichen Revolution. In den Leipziger Montags Demonstrationen sch\u00fcrzt sich denn auch in Leipzig der Knoten wirklichen Ereignens. Nach der Wende versinkt die s\u00e4chsische Metropole in den K\u00e4mpfen und Kr\u00e4mpfen der Existenzsicherung. Es greifen beispielhaft alle Ma\u00dfnahmen der fiktionalen und spekulativen Wirtschaftspolitik. Leipzig wird zum Banken-Zentrum des Ostens geadelt. Der \u201eSpiegel\u201c erhebt die mittlere Gro\u00dfstadt in einer Titelgeschichte zur Metropole der Drei\u00dfigj\u00e4hrigen. In den Aufbau der Neuen Messe flie\u00dfen Hunderte Millionen. Allerlei Unternehmensberater erw\u00e4gen das zuk\u00fcnftige Image der Stadt. Messestadt Leipzig, Kulturstadt Leipzig, Kongre\u00dfstadt Leipzig. Spekuklantenstadl. Verwaltung der Stagnation einerseits und hemmungsloser Zweckoptimismus andererseits verdr\u00e4ngen wiederum innovative Impulse. Der \u00c4rger bleibt freilich nicht aus. Der s\u00e4chsische Rechnungshof weist seinem Gewandhaus unvertretbare \u00dcberausgaben nach, die superteure Mustermesse spielt noch lange keine internationale Rolle und auch die Darstellende Kunst erinnert verdammt an Gottsched. Dieser hypertrophierten Durchschnittlichkeit entspricht zu guter letzt auch noch der Mangel an journalistischer Reflexion. BILD und Leipziger Volkszeitung sind die einzigen \u00f6rtlichen Tageszeitungen, beide aus dem Hause Springer. Weiterlesen &rarr;\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Sperrsitz.net\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"1997-12-01T18:22:27+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2011-02-06T11:10:31+00:00\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Stefan Kanis\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Stefan Kanis\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"7\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/?p=996#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/?p=996\"},\"author\":{\"name\":\"Stefan Kanis\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/c3186daad093aa259c336c430f1f3e78\"},\"headline\":\"Dekoration oder Anspruch?\",\"datePublished\":\"1997-12-01T18:22:27+00:00\",\"dateModified\":\"2011-02-06T11:10:31+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/?p=996\"},\"wordCount\":1330,\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/c3186daad093aa259c336c430f1f3e78\"},\"keywords\":[\"Ann-Elisabeth Wolff\",\"euro-scene\",\"Gabriele Bu\u00dfacker\",\"Jo Fabian\",\"Romeo Castellucci\",\"Soc\u00ecetas Raffaello Sanzio\"],\"articleSection\":[\"Theaterkritik\"],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/?p=996\",\"url\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/?p=996\",\"name\":\"Dekoration oder Anspruch? &#8211; Sperrsitz.net\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/#website\"},\"datePublished\":\"1997-12-01T18:22:27+00:00\",\"dateModified\":\"2011-02-06T11:10:31+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/?p=996#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/?p=996\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/?p=996#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Home\",\"item\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Dekoration oder Anspruch?\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/\",\"name\":\"Sperrsitz.net\",\"description\":\"Stefan Kanis | Radioregie und Allf\u00e4lliges.\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/c3186daad093aa259c336c430f1f3e78\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":[\"Person\",\"Organization\"],\"@id\":\"https:\\\/\\\/sperrsitz.net\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/c3186daad093aa259c336c430f1f3e78\",\"name\":\"Stefan Kanis\",\"image\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/secure.gravatar.com\\\/avatar\\\/b0feff0bc183a7e3ea2924fad583004078cc47ddae0ee8e37c029afb403a8649?s=96&d=mm&r=g\",\"url\":\"https:\\\/\\\/secure.gravatar.com\\\/avatar\\\/b0feff0bc183a7e3ea2924fad583004078cc47ddae0ee8e37c029afb403a8649?s=96&d=mm&r=g\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/secure.gravatar.com\\\/avatar\\\/b0feff0bc183a7e3ea2924fad583004078cc47ddae0ee8e37c029afb403a8649?s=96&d=mm&r=g\",\"caption\":\"Stefan Kanis\"},\"logo\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/secure.gravatar.com\\\/avatar\\\/b0feff0bc183a7e3ea2924fad583004078cc47ddae0ee8e37c029afb403a8649?s=96&d=mm&r=g\"},\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/de.wikipedia.org\\\/wiki\\\/Stefan_Kanis\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Dekoration oder Anspruch? &#8211; Sperrsitz.net","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Dekoration oder Anspruch? &#8211; Sperrsitz.net","og_description":":Sieben Jahre Leipziger \u00bbeuro-scene\u00ab: Die Messestadt Leipzig zehrt vom Ruhm vergangener Tage: Die Theaterreform der Neuberin - sekundiert vom trockenen Gottsched, die Leipziger Mustermesse - zu Honeckers Zeiten Ost-West-Drehscheibe und Objekt der vielf\u00e4ltigsten \u00f6konomischen Begierden, das Gewandhaus - die Zentrale der musikalischen Hochkultur au\u00dferhalb Ostberlins. Und schlie\u00dflich: der \u201889er Herbst als Hort der friedlichen Revolution. In den Leipziger Montags Demonstrationen sch\u00fcrzt sich denn auch in Leipzig der Knoten wirklichen Ereignens. Nach der Wende versinkt die s\u00e4chsische Metropole in den K\u00e4mpfen und Kr\u00e4mpfen der Existenzsicherung. Es greifen beispielhaft alle Ma\u00dfnahmen der fiktionalen und spekulativen Wirtschaftspolitik. Leipzig wird zum Banken-Zentrum des Ostens geadelt. Der \u201eSpiegel\u201c erhebt die mittlere Gro\u00dfstadt in einer Titelgeschichte zur Metropole der Drei\u00dfigj\u00e4hrigen. In den Aufbau der Neuen Messe flie\u00dfen Hunderte Millionen. Allerlei Unternehmensberater erw\u00e4gen das zuk\u00fcnftige Image der Stadt. Messestadt Leipzig, Kulturstadt Leipzig, Kongre\u00dfstadt Leipzig. Spekuklantenstadl. Verwaltung der Stagnation einerseits und hemmungsloser Zweckoptimismus andererseits verdr\u00e4ngen wiederum innovative Impulse. Der \u00c4rger bleibt freilich nicht aus. Der s\u00e4chsische Rechnungshof weist seinem Gewandhaus unvertretbare \u00dcberausgaben nach, die superteure Mustermesse spielt noch lange keine internationale Rolle und auch die Darstellende Kunst erinnert verdammt an Gottsched. Dieser hypertrophierten Durchschnittlichkeit entspricht zu guter letzt auch noch der Mangel an journalistischer Reflexion. BILD und Leipziger Volkszeitung sind die einzigen \u00f6rtlichen Tageszeitungen, beide aus dem Hause Springer. Weiterlesen &rarr;","og_url":"https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996","og_site_name":"Sperrsitz.net","article_published_time":"1997-12-01T18:22:27+00:00","article_modified_time":"2011-02-06T11:10:31+00:00","author":"Stefan Kanis","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Verfasst von":"Stefan Kanis","Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"7\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"Article","@id":"https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996#article","isPartOf":{"@id":"https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996"},"author":{"name":"Stefan Kanis","@id":"https:\/\/sperrsitz.net\/#\/schema\/person\/c3186daad093aa259c336c430f1f3e78"},"headline":"Dekoration oder Anspruch?","datePublished":"1997-12-01T18:22:27+00:00","dateModified":"2011-02-06T11:10:31+00:00","mainEntityOfPage":{"@id":"https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996"},"wordCount":1330,"publisher":{"@id":"https:\/\/sperrsitz.net\/#\/schema\/person\/c3186daad093aa259c336c430f1f3e78"},"keywords":["Ann-Elisabeth Wolff","euro-scene","Gabriele Bu\u00dfacker","Jo Fabian","Romeo Castellucci","Soc\u00ecetas Raffaello Sanzio"],"articleSection":["Theaterkritik"],"inLanguage":"de"},{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996","url":"https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996","name":"Dekoration oder Anspruch? &#8211; Sperrsitz.net","isPartOf":{"@id":"https:\/\/sperrsitz.net\/#website"},"datePublished":"1997-12-01T18:22:27+00:00","dateModified":"2011-02-06T11:10:31+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/sperrsitz.net\/?p=996#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Home","item":"https:\/\/sperrsitz.net\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Dekoration oder Anspruch?"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/sperrsitz.net\/#website","url":"https:\/\/sperrsitz.net\/","name":"Sperrsitz.net","description":"Stefan Kanis | Radioregie und Allf\u00e4lliges.","publisher":{"@id":"https:\/\/sperrsitz.net\/#\/schema\/person\/c3186daad093aa259c336c430f1f3e78"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/sperrsitz.net\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"},{"@type":["Person","Organization"],"@id":"https:\/\/sperrsitz.net\/#\/schema\/person\/c3186daad093aa259c336c430f1f3e78","name":"Stefan Kanis","image":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b0feff0bc183a7e3ea2924fad583004078cc47ddae0ee8e37c029afb403a8649?s=96&d=mm&r=g","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b0feff0bc183a7e3ea2924fad583004078cc47ddae0ee8e37c029afb403a8649?s=96&d=mm&r=g","contentUrl":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b0feff0bc183a7e3ea2924fad583004078cc47ddae0ee8e37c029afb403a8649?s=96&d=mm&r=g","caption":"Stefan Kanis"},"logo":{"@id":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/b0feff0bc183a7e3ea2924fad583004078cc47ddae0ee8e37c029afb403a8649?s=96&d=mm&r=g"},"sameAs":["https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stefan_Kanis"]}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sperrsitz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/996","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sperrsitz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sperrsitz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperrsitz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sperrsitz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=996"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/sperrsitz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/996\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1276,"href":"https:\/\/sperrsitz.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/996\/revisions\/1276"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sperrsitz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=996"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sperrsitz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=996"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sperrsitz.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=996"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}