Jenseits der Kastanien

Daheimsein im Fremden / im Spiegel von Paul Celan

»Jenseits der Kastanien (Ausschnitt)«

Jenseits der KastanienJenseits der Kastanien von Marina Frenk.
Mit Dimitrij Schaad und Marina Frenk. Vertonung der Paul-Celan-Gedichte: Marina Frenk.
Dramaturgie: Thomas Fritz. Ton: Holger König, André Lüer und Holger Kliemchen
Hörspielbearbeitung und Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR KULTUR 27.11.2016 | 55’44)

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(Das ganze Stück)

»…Marina Frenk erzählt ihre eigene Geschichte in einer Form, wie es die „Experten des Alltags“ in den Stücken des Ensembles ‘Rimini Protokoll’ tun – als Darstellerin ihrer selbst. Diese Differenz muss immer mitgedacht werden und sie realisiert sich in ihrem Hörspiel „Jenseits der Kastanien“ (Bearbeitung und Regie: Stefan Kanis) in gleich mehreren Differenzen. Denen zwischen dem Geschriebenen, dem Gesagten, dem Gesprochen und dem Gesungenen. (…) Marina Frenks Reflexionen über die Migration sind von großer Leichtigkeit und Selbstironie getragen und von mindestens einer so großen Vitalität wie ihre Performance in dem Hörspiel „Und jetzt: Die Welt“, für das sie in diesem Jahr zusammen mit der Autorin Sibylle Berg mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet wurde…«
(Jochen Meißner, Medienkorrespondenz 25/2016)

»…Mit einem Anflug von Improvisation, zugleich aber durchdacht erzählt die junge Schauspielerin,  die 1993 siebenjährig von Moldawien nach Deutschland kam, hier aus ihrer Biografie. Dabei geht es nicht um ihren Bildungsweg, Karrierereport oder Beziehungsgeschichten. Zentral vergegenwärtig sie Schlüsselszenen der Kindheit. Der Regisseur Stefan Kanis dosiert und arrangiert den Lebensstoff der Immigrantin in spannungsreicher Montage, die um Verluste und Glückschancen kreist. (…) Eine zeitlang wartet man im Hörstück darauf, dass sie endlich einmal erzählt, wie sie Künstlerin wurde. Sie tut dies aber nicht. Doch im Rückblick auf das ganze Stück begreift man: Ihr Talent spricht für sich.«
(Eva-Maria Lenz, epd-medien 50/2016)

„Wissen Sie was ein DDON ist? Ein DDON ist ein Definitiver Depp Ohne Nationalität. Ich bin einer.“ Marina Frenk, 1986 in Chisinau, Moldawien, in einer russisch-jüdischen Familie geboren, kam 1993 mit ihren Eltern nach Deutschland, genauer: nach Dortmund-Nordstadt. Mitten in den Migrantendschungel des Ruhrgebiets, wie sie sagt, wenn sie – mit Blick auf Flüchtlingsschicksale von heute – von ihrer eigenen „Integration“ erzählt. Von kultureller Transformation und Identitätsschlamassel. Vom Verlorengehen: einer Sprache, einer Herkunft. Von schönen und hässlichen Unterprivilegierten, von Vorzeige-Ausländern am Theater und Unterschichts-Arbeitslosen im Viertel. Von Neu-Deutschen und Alt-Deutschen. Von Unbehaustheit und Heimatsuche mit und ohne Wohlstand, mit und ohne Migrationshintergrund: in ihr drin und um sie herum. Und von Paul Celan aus Czernowitz, Bukowina, und Versen wie dem: „Erst jenseits der Kastanien ist die Welt“.

Marina Frenk, geboren 1986 in Chisinau, Moldawien, lebt in Berlin. Sie ist Schauspielerin u.a. am Maxim Gorki Theater Berlin und Musikerin u.a. in der Ostperanto-Band „Kapelsky“ und Noise-Elektro Band „Baba Dunyah“. Für „Und jetzt: die Welt!“ (MDR 2015), wurde sie zusammen mit der Autorin Sibylle Berg mit dem „Hörspielpreis der Kriegsblinden 2016“ ausgezeichnet.

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