Austerlitz

Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von W. G. Sebald

Austerlitz

Austerlitz von W. G. Sebald. Mit: Ernst Jacobi, Rosemarie FendelUlrich Matthes, Jonathan Bordag. Dramaturgie: Thomas Fritz. Musik: Cornelia Friederike Müller (aka cfm). Schnitt: Holger Kliemchen. Ton: Holger König.
Hörspielbearbeitung und Regie: Stefan Kanis (Erstsendung: 12.12.2011 | 82’25)
(Auch als Hörbuch beim Hörverlag München, März 2012)

Der Ich-Erzähler in W.G. Sebalds letztem, kurz vor seinem Tod veröffentlichten Roman
erstattet Bericht über seine Bekanntschaft mit dem Architekturhistoriker Jacques
Austerlitz, den er in der zweiten Hälfte der 60er Jahre zufällig in der Antwerpener
Centraalstation kennengelernt hatte. Diesem Zusammentreffen sind, über dreißig Jahre
hinweg und in mehreren europäischen Städten, zahlreiche weitere Begegnungen gefolgt.
In langen Gesprächen – zumeist sich nahtlos aneinander reihende biografische Auskünfte
Austerlitz’ enthaltend – erfuhr der Erzähler, wie jener, der sich bis dahin für einen
Engländer gehalten hatte, seiner teils ihm selbst kaum erinnerlichen, teils verdrängten
Herkunft auf die Spur kam: Kind in Prag lebender jüdischer Eltern, war er im Sommer
1939, im Alter von viereinhalb Jahren, mit einem Kindertransport nach England gerettet
worden und bei Pflegeeltern aufgewachsen. Von dieser Entdeckung an widmete sich
Austerlitz hauptsächlich der Rekonstruktion seiner Vergangenheit, er suchte nach
Zeugnissen seiner Eltern: in Prag, wo er eine Freundin der Familie aufspürte, die sich oft
um das Kind gekümmert hatte, in Theresienstadt, wohin seine Mutter, bis zu ihrem
Abtransport ins Vernichtungslager, verschleppt worden war. Recherchen, die durch den
Bericht über Austerlitz nun ihrerseits festgehalten sind.

W.G. Sebald, geboren am 18. Mai 1944 in Wertach im Allgäu, gestorben am 14.
Dezember 2001 in Norfolk, England. Der seit 1966 an englischen Schulen und
Hochschulen lehrende Germanist trat neben literaturwissenschaftlichen Publikationen seit
Ende der 80er Jahre mit mehreren Bänden erzählender Prosa – so „Die Ausgewanderten“
und „Die Ringe des Saturn“ – an die Öffentlichkeit und erlangte rasch den Ruf eines
bedeutenden Außenseiters der deutschen Gegenwartsliteratur.

(…) Räume entstehen, in denen man atmen und sich umschauen kann, in denen einem auch einmal der Atem stockt. Stefan Kanis, der mit der Verwandlung dieses formgewandten Romans durchaus ein Wagnis eingeht, ist sich der Gratwanderung zwischen zu viel und zu wenig Effekt bewusst. Und so entsteht schon bald ein Sog, drängender womöglich als beim Lesen des Romans, der sich aus wichtigen Gründen gegen zu große Bequemlichkeit sperrt.
(Anja Hirsch, FAZ vom 10.03.12)

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