Lückenlose Illusion

VR als simulierte Teilhabe

Lebt die Kunst nicht von der Vorstellung, dass es etwas anderes gibt? Das Andere, das Abwesende. Was täglich ohne weiteres geschieht, nennen wir Realität. Ob sie gut ist oder schlecht; sie hat die Qualität des Anwesenden. Seit der Mensch jedoch über Spuren von Freizeit verfügt, über Energie, die über Reproduktion hinausgeht, beschäftigt ihn das Abwesende. Dieses Abwesende wünscht sich nicht nur Alternativen zum dreidimensionalen Hier und Jetzt, sondern es ist auch u-topisch im Ort seiner ‚Realisierung‘. Das Abwesende lebt in der Imagination, es trägt fabulierenden Charakter. Die Literatur zum Beispiel, auch wo sie ihre Schauplätze satt mit Realien tränkt, ist dem Kanon der Imagination verpflichtet. Kunst – und das ist hier der Punkt – geht nicht über unsere Erfahrung hinweg, sie sucht das Abwesende, muss dazu aber im Eigenen beginnen. Jede Zeile Belletristik, jede Note, jedes Bild tritt als Frage in unser Bewusstsein. Nur in unserer Antwort entsteht das Andere. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allfälliges | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Jenseits der Kastanien

Daheimsein im Fremden / im Spiegel von Paul Celan

»Jenseits der Kastanien (Ausschnitt)«

Jenseits der KastanienJenseits der Kastanien von Marina Frenk.
Mit Dimitrij Schaad und Marina Frenk. Vertonung der Paul-Celan-Gedichte: Marina Frenk.
Dramaturgie: Thomas Fritz. Ton: Holger König, André Lüer und Holger Kliemchen
Hörspielbearbeitung und Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR KULTUR 27.11.2016 | 55’44)

Download und Streaming

(Das ganze Stück)

„Wissen Sie was ein DDON ist? Ein DDON ist ein Definitiver Depp Ohne Nationalität. Ich bin einer.“ Marina Frenk, 1986 in Chisinau, Moldawien, in einer russisch-jüdischen Familie geboren, kam 1993 mit ihren Eltern nach Deutschland, genauer: nach Dortmund-Nordstadt. Mitten in den Migrantendschungel des Ruhrgebiets, wie sie sagt, wenn sie – mit Blick auf Flüchtlingsschicksale von heute – von ihrer eigenen „Integration“ erzählt. Von kultureller Transformation und Identitätsschlamassel. Vom Verlorengehen: einer Sprache, einer Herkunft. Von schönen und hässlichen Unterprivilegierten, von Vorzeige-Ausländern am Theater und Unterschichts-Arbeitslosen im Viertel. Von Neu-Deutschen und Alt-Deutschen. Von Unbehaustheit und Heimatsuche mit und ohne Wohlstand, mit und ohne Migrationshintergrund: in ihr drin und um sie herum. Und von Paul Celan aus Czernowitz, Bukowina, und Versen wie dem: „Erst jenseits der Kastanien ist die Welt“. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Schicksal – Ü40?

Endzeit fürs Tanzen

»Schicksal – Ü40? (Ausschnitt)«

Schicksal – Ü40? Feature von Judith Burger.Das Eingangsschild des legendären Leipziger Clubs »Ilses Erika«
Sprecherin: Anja Schneider.
Redaktion: Kathrin Aehnlich: Schnitt: Christian Grund. Ton: Holger König.
Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR KULTUR 17.09.2016 | 29’04)

Download und Streaming

(Das ganze Stück)

Tanzen gehen, durch die Clubs ziehen gilt oft als Privileg jüngerer Leute. Was aber, wenn man mit Anfang 40 merkt, dass die Kinder keine Abendbetreuung mehr brauchen und alles von vorn beginnen könnte? Doch da ist das deutliche Gefühl, dass man nicht mehr dazugehört. Man ist zu alt, um sich bei den ganz jungen wohlzufühlen, aber zu jung, um sich zu den Alten zu rechnen. Plötzlich wird man in der Disco gesiezt, und es wird einem bewusst, dass die eigene Jugend vorüber ist. Auf Nimmerwiedersehen.
Damit will sich die Autorin Judith Burger nicht abfinden. Sie wandelt auf den nächtlichen Pfaden ihrer Jugend, trifft einen fast 50 jährigen DJ und andere älter werdende “Vögel der Nacht”.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

“Und jetzt: die Welt!” beim Prix Europa

ARD nominiert Hörspiel von Berg/Frenk/Kanis zum Prix Europa 2016 in der Kategorie radio-Fiction

Nominierung zum Prix Europa 2016

Zum Hörspiel ->

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Die meisten Afrikaner können nicht schwimmen

Auf Ehre und Gewissen (in gewissen Grenzen)

Hörspiel von Holger Böhme. Mit Eva Löbau und Devid Striesow.
Dramaturgie: Thomas Fritz. Schnitt: Christian Grund. Ton: André Lüer.
Regie: Stefan Kanis. (Ursendung: 21.08.2016 | MDR KULTUR)

Download und Streaming

(Das ganze Stück)

Seit Oliver in die Sendung geriet, in der Menschen in Gewissensnot im Radio ihr Schicksal berichten und sich dem Urteil der Hörer stellen können, glaubt er, dass das die Lösung für sie ist – für Sonja und ihn. Reden sie doch seit Monaten darüber, was sie bei ihrem Segeltörn im Mittelmeer erleben mussten, nachdem sie drei sich an Schlauchbootreste klammernde afrikanische Schiffbrüchige aus dem Wasser fischten. Doch bald kamen Zweifel auf: handelte es sich überhaupt um Flüchtlinge? Waren es nicht womöglich skrupellosen Schlepper, die das mit Flüchtlingen vollgestopfte Boot im Stich gelassen hatten? Hatten sie also drei gefährliche Kriminelle an Bord, denen sie, wenn ihnen ihr Leben lieb war, zuvorkommen mussten? Oliver und Sonja sind entschlossen, ihren Hörern ein wahrheitsgetreues Bild der dramatischen Ereignisse zu vermitteln – jeder auf seine Art.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Ernstfall Satire

Satiremagazine im Crash-Test: “Pardon”, “Titanic”, “Eulenspiegel”

»Ernstfall Satire (Ausschnitt)«

Ernstfall Satire. Feature von Rainer Link.cover-pardon
Sprecherin: Chris Pichler. Redaktion: Kathrin Aehnlich: Hans-Peter Ruhnert. Ton: André Lüer.
Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR KULTUR 29.06.2016 | 59’31)

Download und Streaming

(Das ganze Stück)

Bemerkenswert, dass die eher als humorlos und obrigkeitshörig geltenden Deutschen nach 1945 gleich drei Satire-Blätter ins Leben riefen, die bis in die Gegenwart wirken. Begonnen hat es im Osten Deutschlands im Jahr 1954 mit der ersten Ausgabe des „Eulenspiegels“. Nach dem niedergeschlagenen Aufstand vom 17. Juni 1953 sollte sich die „Eule“ am Paradoxon kritischer Satire im Sozialismus versuchen. Sechs Jahre später wurde mit „Pardon“ die Urmutter der westdeutschen Humorgazetten gegründet. Und nach deren Pleite stach die „Titanic“ in die schwierige See der Humor-Presse. In beiden Teilen Deutschlands galt: Wo Komik gelingt, ist die strafende Hand der Obrigkeit nicht weit. Und wo sie nicht gelingt, erst recht. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Kriegsblindenpreis 2016 für “Und jetzt: die Welt!”

Freude Zwei!

Zweite Reihe: Moderatorin Ute Soldierer, Regisseur Leonhard Koppelmann («Die lächerliche Finsternis»), Jury-Vorsitzende und Autorin Anna Dünnebier, Regisseur Stefan Kanis («Und jetzt: Die Welt»), Autor Wolfram Lotz (nominiert für «Die lächerliche Finsternis»), Preisträgerin Sibylle Berg («Und jetzt: Die Welt!»), Valerie Weber (Hörfunkdirektorin WDR), Hans-Dieter Hain (Stellvertretender Bundesvorsitzender Bund der Kriegsblinden Deutschlands e.V.), Petra Müller (Geschäftsführerin Film- und Medienstiftung NRW), Jaqueline Hain. Erste Reihe: Hörspielautor und Journalist Andreas Ammer (nominiert für «The King is Gone») © Anna Kaduk / Film- und Medienstiftung NRW

Sibylle Berg und Marina Frenk erhalten als Autorin/Performerin von “Und jetzt: die Welt!” gemeinsam den Hörspielpreis der Kriegsblinden 2016.

Der ‘Kriegsblindenpreis‘ gilt als wichtigste Auszeichnung des deutschsprachigen Hörspiels. Die Jury schreibt in ihrer Begründung:

»Das Hörspiel Und jetzt: Die Welt! von Sibylle Berg ist ein wildes, furioses, atemloses Stück, voll ätzender Komik und tiefer Verzweiflung, zum Lachen, wenn man denn nicht heulen muss (…) Der Text war ursprünglich ein Theaterstück, ohne festgelegte Rollen oder Dialoge. Die Jury hebt besonders hervor, wie es Regisseur Stefan Kanis und Sprecherin Marina Frenk gelungen ist, diese Vorlage für das Radio umzusetzen. Frenk verleiht mit ihrer unglaublich vielseitigen Stimme vier unterschiedlichen Frauen Präsenz, auch einem keuchenden alten Mann; sie lamentiert, spottet, trotzt, lästert, haspelt, kreischt und seufzt, sie tönt wie eine rostige Trompete. (…) Sie singt eigene Lieder und macht aus Klassikern durch ihr Arrangement und ihre Interpretation etwas Neues. Die Jury sieht in ihr die Miturheberin des Hörspiels.«

Eine Inszenierung von Stefan Kanis erhält zum zweiten Mal diese Auszeichnung. 2010 vergab die Jury den Preis an «Die Sicherheit einer geschlossenen Fahrgastzelle».

Ausschnitt aus »Und jetzt: die Welt!« -> Ausschnitt aus «Und jetzt: Die Welt!»

Podiumsgespräch -> Podiumsgespräch zu «Und jetzt: Die Welt!» bei den ARD-Hörspieltagen 2015 in Karlsruhe

Nominiert waren auch:
“The King is Gone – Des Bayernkönigs Revolutionstage” von Andreas Ammer, Micha Acher und Markus Acher (BR)
sowie “Die lächerliche Finsternis” von Wolfram Lotz (Regie: Leonhard Koppelmann; SWR)
Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Putzfrauen

Von Volker Braun. Ein Satyr/Hör/Spiel

Ausschnitt aus »Die Putzfrauen«

Mit: Thomas Thieme, Hedi Kriegeskotte, Bernhard Schütz, Marina Frenk und Volker Braun. Dramaturgie: Thomas Fritz. Schnitt: Christian Grund. Ton: Holger König.
Hörspieleinrichtung und Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR FIGARO, 10.04.2016 | 45’17)

Im September 2013 wurden sie auf einen Schlag entlassen: Über 400 Putzfrauen des griechischen Finanzministeriums, Bauernopfer der von den europäischen Gläubigerstaaten mit Nachdruck geforderten staatlichen Einsparungen.
Doch die Frauen wehrten sich. Öffentlichkeitswirksam demonstrierten sie mit Besen, Schrubber und roten Gummihandschuhen vor dem Finanzministerium, zumal wenn Vertreter der “Troika” aus EU, Internationalem Währungsfond und Europäischer Zentralbank zu Verhandlungen erschienen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Das Kind ins Leben heben

Hebammen, ein glückliches Risiko

Ausschnitt aus »Das Kind ins Leben heben«

Das Kind ins Leben heben – Hebammen heute. Feature von Julia Schäfer.
Mit: Anja Schneider. Redaktion: Tobias Barth. Schnitt: Hans-Peter Ruhnert. Ton: Holger König.
Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR FIGARO 12.03.2016 | 29’28)

„Schwangerschaft und Geburt sind natürliche Vorgänge und stellen keine Krankheit dar“, heißt es im Mutterpass. Doch bei vielen Frauen überwiegen Angst und Unsicherheit. Sie vertrauen eher Medizin und Technik als ihrem eigenen Körper und wählen die Klinik als vermeintlich sichersten Geburtsort. So kommen in Deutschland nur noch rund zwei Prozent der Kinder zuhause oder im Geburtshaus zur Welt. Statt CTG, Betäubung oder Kaiserschnitt, gibt es hier eine Eins-zu-Eins Betreuung durch eine Hebamme. Doch wegen immenser Haftpflichtprämien geben immer mehr freiberufliche Geburtshelferinnen auf. Die Geburt ist längst ein Politikum; das Selbstbestimmungsrecht der Frau steht auf dem Spiel.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Die erste Gestalt der Hoffnung ist die Furcht – Heiner Müller

zum 20. Todestag / 87. Geburtstag des Dramatikers

»Die erste Gestalt der Hoffnung ist die Furcht – Heiner Müller«

Müller-Perücke (Foto: Jochen K. Schütze)

Die erste Gestalt der Hoffnung ist die Furcht – Heiner Müller. Essay von Stefan Kanis.
Sprecher: Franka Anne Kahl und Torben Kessler. Im Originalton: Heiner Müller, Alexander Kluge, Kristin Schulz und Frank Hörnigk. Redaktion: Katrin Wenzel. Schnitt: Christian Grund. Ton: Holger Kliemchen.
Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR FIGARO 09.01.2016 | 24’30)

Sphinx der deutschen Geschichte, lustvoller Apokalyptiker, wichtigster deutscher Dramatiker nach Brechts Tod. Mann des Aphorismus, Witzeerzähler, mitleidloser Dialektiker. Der aus dem sächsischen Eppendorf stammende Heiner Müller war vieles in einem. 20 Jahre nach seinem Tod, 25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung wird Heiner Müller wieder gehört. Er hätte über solch kurzatmigen Takt gelächelt, denn Müllers Interesse hing an Epochen, eine Generation ist da die kleinste Einheit. Gern zitierte er Ernst Bloch: die moralische Überlegenheit des Kommunismus liege darin, dass er für den Einzelnen keine Antwort habe. Solche Äußerungen verhalfen ihm zum Ruf, ein Sarkast zu sein, wenn nicht gar ein Zyniker. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten, Theaterkritik | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Zuckerbaum und Schlittschuhlauf

Goethe etabliert in Weimar neue Weihnachtsbräuche

Ausschnitt aus »Zuckerbaum und Schlittschuhlauf«

Wintervergnügen (Carl Hilgers; Quelle: Wikipedia)Zuckerbaum und Schlittschuhlauf. Essay von Otto Werner Förster.
Mit: Thomas Stecher und Detlef Heinze. Redaktion: Katrin Wenzel. Schnitt: Christian Grund. Ton: Holger Kliemchen.
Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR FIGARO 24.12.2015 | 28′)

Baron von Wedel, der Weimarische Oberforstmeister, bemerkt in der Weihnachtszeit, dass in den Wäldern immer mehr Nadelbäume geschlagen werden. 1775 belegt er diesen “Baumfrevel” mit einer Geldstrafe. Doch eines Tages wird ein junger Mann ertappt – er nennt sich Johann Wolfgang Goethe. Er wolle einen “Zuckerbaum” für den Weimarer Hof, lautet seine Begründung … Ob das wahr ist, lässt sich nicht mehr überprüfen. Belegt ist jedoch, dass sich der Dichter in Weimar erheblich für das Vergnügen des Schlittschuhlaufens eingesetzt hat, eine Lustbarkeit, der er schon in Frankfurt frönte.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Herzstück/Schmerzstück

zum nahenden 20.Todestag des Meisters

Herzstück

Livehörspiel mit Waldbauer/Kanis/Moratz.

Arbeitsplatz des Theaters der GrausamkeitDer Arbeitsplatz des Theaters der Grausamkeit mit Klingelstock, Holztür, Eierpappe, Gummischlauch, Metallbechern, Briefkasten und Laubsäge.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Blumen für “Und jetzt: die Welt!”

Freude EINS!

Podium der ARD-Hörspieltage 2015 mit (v.l.n.r.) Jochen Biesler (Moderator), Stefan Kanis (Regie), Marina Frenk (Schauspielerin), Thomas Fritz (Dramaturgie) (Foto: ARD/Peter A.Schmidt)

Podiumsgespräch -> Podiumsgespräch zu «Und jetzt: Die Welt!» bei den ARD-Hörspieltagen 2015 in Karlsruhe

Die Jury des Deutschen Hörspielpreises der ARD 2015 gewährt der Produktion eine besondere Erwähnung: “In Sibylle Bergs Hörspiel „Und jetzt: Die Welt!“, eine Produktion des MDR, ist es die höchst virtuose und ungemein reale Sprechkunst von Marina Frenk, die diesen Monolog zu einem packenden Lebensporträt macht.”

Außerdem dürfen wir uns beim diesjährigen ARD Online Award über den berühmten undankbaren 2. Platz freuen. Machen wir auch! Gewonnen hat die auch sehr schöne Arbeit von Ammer, Acher/Acher: “The King is gone”.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Die Glücklichen

Roman von Kristine Bilkau

Ausschnitt aus »Die Glücklichen«

Sandra HüllerEs liest Sandra Hüller. Regie: Stefan Kanis (Erstsendung: MDR FIGARO ab 02. November 2015)

Mit ihrem im Frühjahr dieses Jahres erschienenen Debütroman “Die Glücklichen” hat Kristine Bilkau ein beeindruckendes Generationsporträt geschrieben. Darin erzählt sie vom leisen sozialen Abstieg einer jungen Mittelstandsfamilie. Was passiert wenn die hohen Ansprüche an der Realität scheitern?

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Auf jeden Künstler kommt ein Flüchtender

Anmerkung

Die interventionistische Flanke der Kunstschaffenden weiß gar nicht, wie sie das alles verarbeiten soll. Diese ganze Jetztzeit. Die absolute Gegenwart. Die vielen Flüchtenden. So schnell können Konzepte gar nicht mehr geschrieben, Projekte beantragt und Teams zusammengestellt werden. Dabei sollte Kunst doch aus Verzweiflung über das eigene Leben entstehen und nicht aus Verzweiflung über das Leben anderer. Psychologen würden wohl von einer Projektion sprechen: Die Künstler sind ja verzweifelt, sie suchen nur dringend einen Gegenstand, der alle ergreift, sie selbst eingeschlossen. Also flieht die Kunst in die Mitte, wo alle sind und alles ist: Die Medien, die Feuilletons, die großen Gefühle, der Diskurs. Diese Mitte hat die Halbwertzeit einer Presseschau. Kunst aber braucht Abstand, ein Mindestmaß an gesellschaftlichem Stillstand, aus dem heraus sie, gegen den sie opponieren kann. Natürlich ist dieser Stillstand größer denn je, aber er erscheint als Fülle, er trägt die bunten Kleider von Posts&Comments, er ist der rasende Wechsel.
Eine Gesellschaft ohne Stillstand ist eine Gesellschaft ohne Kunst. Kunst muss sich heute zuerst ihre eigene Arbeitsgrundlage schaffen: Stillstand und Distanz. Und sie sollte die Kraft haben, nicht alles, was geschieht, als ihr Material anzusehen. Zum Beispiel die Flüchtenden.
Hut ab vor denen, die helfen: Deren Hinwendung zu den Flüchtenden offenbart neben guter Kinderstube die uneingestandene Sehnsucht nach einer anderen Gesellschaft, in der eine radikalere Teilhabe praktiziert wird, als die der Kleiderspende. Das ist der politische Kern der ‘Willkommenskultur’. Es gibt wohl tatsächlich einen verdeckten Impuls im Helfen, der ausagiert, was dem täglichen Einsatz des beruflichen Ellenbogens komplett widerspricht: Dass eine andere Welt möglich wäre. Daraus muss man bitte nicht gleich wieder ein Theaterstück machen.

Veröffentlicht unter Allfälliges, Theaterkritik | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Und jetzt: die Welt!

von Sibylle Berg

Ausschnitt aus »Und jetzt: die Welt!«

Ausschnitt aus »Und jetzt: die Welt!«

Marina Frenk (Foto: MDR/Stephan Flad)
Mit: Marina Frenk. Dramaturgie: Thomas Fritz. Schnitt: Christian Grund. Ton: André Lüer.
Hörspieleinrichtung und Regie: Stefan Kanis (Erstsendung: MDR FIGARO, 14.09.2015 | 54’17)

»… In Stefan Kanis’ 55-minütiger Hörspielfassung des Theatertextes “Und jetzt: Die Welt!” ist es die Schauspielerin und Sängerin Marina Frenk, die den vier Figuren ihre Stimme(n) gibt und die mit Songs von Udo Jürgens bis Ton Steine Scherben, von Grauzone bis Chinawomen, von Fanny van Dannen bis Rainald Grebe die Geschichten um vier Frauen illustriert. Durch die sparsam begleitete Solostimme von Marina Frenk erzeugt das Wiedererkennen und Nichtwiedererkennen, das Wiederentdecken und Neuentdecken eine besondere Spannung – eine Suchbewegung, die auch die Figuren des Hörspiels Stücks (Gemma, Minna, Lina und die Erzählerin) in Atem hält…« (Jochen Meißner, Medienkorrespondenz 19/2015)

»Ein wildes, furioses, atemloses Stück, voll ätzender Komik und tiefer Verzweiflung, zum Lachen, wenn man denn nicht heulen muss, grandios dargeboten von Marina Frenk. Sie gibt vier jungen Frauen ihre Stimme, die sich durch die Fallstricke und Forderungen einer absurden Welt durchzubeißen versuchen – selbstbewußt und hoffnungslos, abgeklärt und aufbegehrend. Sind ihre Gewaltexzesse echt oder Phantasie? Ist ihr ironisches Abhaken von schwachsinnigen Rollen-Klischees nicht selbst schon wieder abgeklapperter Mainstream? Die Jury hob besonders hervor, wie es Marina Frenk gelingt, mit ihrer unglaublich vielseitigen Stimme das „Theaterstück des Jahres 2014“ in ein Hörspiel zu verwandeln. Sie verleiht den vier unterschiedlich Frauenrollen Präsenz, sie lamentiert, spottet, trotzt, lästert, haspelt, kreischt und seufzt, sie tönt wie eine rostige Trompete, sie singt eigene Lieder und macht aus Klassikern durch ihr Arrangement und Interpretation etwas Neues. Die Jury sieht in Marina Frenk eine Mit-Urheberin des Hörspiels.« (Aus der Begründung der Jury zur Nominierung zum Hörspielpreis der Kriegblinden 2016)

»In Sibylle Bergs Hörspiel „Und jetzt: Die Welt!“, eine Produktion des MDR, ist es die höchst virtuose und ungemein reale Sprechkunst von Marina Frenk, die diesen Monolog zu einem packenden Lebensporträt macht.« (‘Besondere Erwähnung’ der Jury des Deutschen Hörspielpreises der ARD 2015)

Sie sind klug, gut ausgebildet und leben in prekären Verhältnissen, weil auch das x-te Praktikum kein Geld bringt. Sie verkaufen selbstgekochte Drogen im Internet, schreiben Mode-Blogs und steigern den Marktwert ihres Körpers im Fitnessstudio, obwohl sie den Markt verachten. Sie kommunizieren unablässig per Skype, SMS, Chat oder Telefon, und doch bleibt da ein Gefühl von überwältigender Einsamkeit. – Eine junge Frau bilanziert ihr bisheriges Leben: früher Mitglied einer brutalen Mädchengang, heute friedlich Yoga, früher unbeholfenes Knutschen mit Jungs im Zeltlager, heute Gender-Fragen und die Projekte „Sex” und „Liebe” mit Männern oder Frauen, früher hochfliegende Ideale, heute Pragmatismus. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

“Industrieruinen” ausgezeichnet

Das Feature “Industrieruinen – Faszination und Wehmut” wird mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz 2015 ausgezeichnet!

Die Jury freut sich über einen “mitreißend erzählten, aufregend produzierten Radiobeitrag, der auf exemplarische Weise die Lebendigkeit »toter Denkmale« widerspiegelt. Er veranschaulicht dem Hörer die Relevanz der Fragen, die für uns heute von Industriedenkmalen ausgehen. (…) Judith Burger gelingt es, diesen Orten und Geschichten nachzuspüren und zugleich der Frage nach der Perspektive in Zeiten des Verwertungsdrucks respekt- und liebevoll zu begegnen.”

(Autorin: Judith Burger, Regie: Stefan Kanis, Sprecherin: Anja Schneider)

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Hinterlasse einen Kommentar

Die Nackten unter Wölfen

Die widersprüchliche Geschichte eines Welterfolges

Dreharbeiten "Nackt unter Wölfen" (v.l.n.r.) Frank Beyer, Herbert Köfer, Bruno Apitz,  (Bundesarchiv, Bild 183-A0816-0001-001/Eva Brüggmann/CC-BY-SA 3.0)

Die Nackten unter Wölfen. Feature von Maximilian Klein. Sprecher: Matti Krause und Erwin Schastok. Redaktion: Kathrin Aehnlich.
Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR FIGARO 11.04.2016 | 29’18)

Der Roman „Nackt unter Wölfen“ (Mitteldeutscher Verlag 1958) hat Generationen von Lesern bewegt – nicht nur in der DDR. Das Buch erschien in über dreißig Sprachen in einer Gesamtauflage von zwei Millionen Exemplaren. Erzählt wird die Geschichte eines dreijährigen polnischen Jungen, der von den Häftlingen im Konzentrationslager Buchenwald vor der SS-Lagerführung versteckt und so vor einem sicheren Tod bewahrt werden konnte. Gleichmaßen berühmt geworden ist die Verfilmung des Stoffs durch den Regisseur Frank Beyer aus dem Jahr 1963. Es ist ein Film, der Spuren hinterlassen hat, sowohl bei den Zuschauern, als auch bei den Schauspielern. Ob Herbert Köfer oder Armin Müller-Stahl, die Erinnerungen an die Dreharbeiten sind auch nach einem halben Jahrhundert noch präsent.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Wie das Theater dem Kapital zuspielt

Der Dramaturg Bernd Stegemann analysiert einen Frontenwechsel. Eine Sendung von Stefan Kanis.

Volksbühne, verkauft

Wie das Theater dem Kapital zuspielt

Mit: Franka Anna Kahl und Michael Pempelforth. Schnitt: Hans-Peter Ruhnert. Ton: André Lüer.
Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR FIGARO, 28.03.2015 | 26’10)

Das neue Jahrtausend steht unterm Flammenschwert der „Authentizität“. Der Homo oeconomicus soll Masken und Vorbehalte ablegen und sich ohne Reserve in den Prozess seiner (Selbst-)Ausbeutung einbringen. Die Trennung zwischen Privatem und Dienstlichem war gestern, jeder performt seine eigene Persönlichkeit gleitend zwischen 0 und 24 Uhr. Nur der Mehrwert der Arbeit fließt nach wie vor in dieselben Kassen. Die Erziehung einer flexiblen, osmotisch-marktkonformen Persönlichkeit darf sich dabei auf einen prominenten Sekundanten verlassen: das zeitgenössische Theater. Der Berliner Dramaturg und Hochschullehrer Bernd Stegemann hat die paradoxen Effekte der Auflösung von Wirklichkeit zu Gunsten des vorgeblich Authentischen untersucht. Wem begegnet der Zuschauer, wenn er heute das Schauspielhaus einer größeren Stadt aufsucht? Sich selbst. Er erlebt sich als intelligenten Decoder von willkürlichen Bühnenereignissen, der im Verlauf der Sinnkonstruktion vor allem seiner eigenen Intelligenz schmeichelt. Oder lapidarer: „Im Theater sitzend erfährt er etwas darüber, wie es ist, im Theater zu sitzen.“

Veröffentlicht unter Radioarbeiten, Theaterkritik | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die ganze Wahrheit über meinen Vater

Hörspiel von Christoph Buggert

Ausschnitt aus »Die ganze Wahrheit…«

Mit: Burghart Klaußner, Ulrike Krumbiegel, Winfried Glatzeder, Kathrin Angerer, Gustav-Peter Wöhler, Oskar Gabriel, Michael Wittenborn. Dramaturgie: Thomas Fritz. Schnitt: Hans-Peter Ruhnert. Ton: Holger König.
Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR FIGARO, 29.03.2015 | 53’41)

Kriminalhauptkommissar Robert Kirsten hat den Vorruhestand beinahe erreicht, als er einer anonymen Anzeige nachgehen muss. Sie bezichtigt den Pfarrer Alexander Gmelin eines Gewaltverbrechens, zudem scheint der Tatverdächtige untergetaucht zu sein. Mehrfach befragt Kirsten Ehefrau und Sohn des Verschwundenen, Angestellte der Gemeinde sowie einen geistlichen Kollegen aus der Nachbargemeinde. Doch was der KHK erfährt, stellt seinen Wirklichkeitssinn, und nicht nur den, auf die Probe. Kann denn ein Mensch von heute allen Ernstes behaupten, im Pfarrhaus sei ein Engel durch die Decke des Arbeitszimmers gerutscht und habe den vom Zweifel befallenen Seelenhirten zu strikter Glaubenstreue – oder aber zu sofortiger Aufgabe seines heiligen Amtes aufgefordert? Und wieso hält die Frau, die den Engel selbst nie gesehen haben will, das alles für ziemlich normal? Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Komik ist eine Übertreibung der Wahrheit

Eine Hommage an Stan Laurel

Ausschnitt aus »Komik ist…«

Stan Laurel um 1920 (Quelle: Wikipedia) Feature von Michael Schulte. Mit: Matthias Matschke und Friedhelm Ptok. Redaktion: Katrin Wenzel. Ton: Holger Kliemchen.
Regie: Stefan Kanis (Erstsendung: 22.02.2015 | 23’53)

Er war, zusammen mit seinem Partner Oliver Hardy, einer der populärsten Filmkomiker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bei den meisten “Dick und Doof”-Filmen hat er auch als Drehbuchautor und Regisseur mitgewirkt, und er hat die Filmkomödie um manche Facette eigener Erfindung bereichert. Nicht nur in den Filmen, auch in seinem Privatleben ging es oft turbulent zu. Fünf Mal war er verheiratet, Ehen, die ihn derart anstrengten, dass er zeitweilig Alkoholiker wurde. Bis heute sind Stan & Ollie das beste und beliebteste Komiker-Duo der Filmgeschichte.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

#good_news

17.11.2014:  »Das Deutschlandgerät« ist ARD-Hörspiel des Monats Oktober

08.11.2014: »Im Inneren des Landes« wird Finalist beim Deutschen Hörspielpreis der ARD 2014

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Hinterlasse einen Kommentar

Thälmannstraße 89

eine Acoustic Novel zum 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution

Thälmannstraße 89 – Folge 7

Thälmannstraße 89. Eine Acoustic Novel in 15 Folgen von Lorenz Hoffmann.
Mit Bernhard Schütz, Stephan Grossmann, Nina Gummich, Kilian Land, Philipp Noack, Kathleen Gaube, Torsten Ranft, Thomas Dehler, Maria Radomski, Hilmar Eichhorn, Conny Wolter, Klaus-Dieter Bange, Matthias Rohrschneider, und Elisabeth Möckel.
Redaktion: Stefan Nölke. Ton: Holger König. Schnitt: Christian Grund. Regie: Stefan Kanis (Ursendung: 7.9. – 9.10.2014 MDR FIGARO)

Was ist die wahre Geschichte der friedlichen Revolution? Oder genauer: Was ist die ‚wahrhaft zu erzählende‘ Geschichte. Dr. Helmstedt, Redakteur beim Qualitätsrundfunk, qualmt der Schädel. Anfangs schien es eine Kleinigkeit: Eine Soap über die Wendezeit. Das sollte für Jens Bentwisch, den erkorenen Autor, keine große Herausforderung sein. Schließlich war er damals dabei. Und das Konzept scheint ja auch schlüssig, eine klassische Dreiecksgeschichte: Die junge Johanna muss sich im Herbst ’89 zwischen zwei Männern entscheiden. Der eine, Jens, kommt aus einer systemtreuen Familie und verhält sich loyal gegenüber dem Arbeiter- und Bauernstaat. Was sich im Lauf der Zeit, dank der kritisch eingestellten und oppositionell engagierten Johanna, ändert. Soweit ändert, dass er sogar den Platz ihres Freundes und Kindsvaters, Markus, erobert. Der türmt vorher über Prag in den Westen. Weiterlesen
Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Das ‘Deutschlandgerät’

Hörspiel von Ingo Schulze

Ausschnitt aus »Das Deutschlandgerät«

Aufnahmen zu "Das Deutschlandgerät" im Kunstmuseum Moritzburg Halle a.d.Saale (Foto: Thekla Harre)

Mit: Thomas Thieme, Kai Scheve, Bettina Hoppe, Imogen Kogge, Ulrike Krumbiegel, Maria Radomski und Elisabeth Möckel. Dramaturgie: Thomas Fritz. Schnitt: Christian Grund. Ton: Holger König.
Regie: Stefan Kanis (Erstsendung: MDR FIGARO für das ARD-Radiofestival am 07.09.2014 | 75’00)

– – –

Aus der Jurybegründung zum Hörspiel des Monats Oktober 2014:

“… Entgegen dem Metapher-schweren Titel vom „Deutschlandgerät“ (einem hydraulischen Gerät zum Aufrichten von entgleisten Lokomotiven) und einem Programmumfeld zum Mauerfall ist Ingo Schulzes Hörspiels nicht auf eine deutsch-deutsche Literatengeschichte zu reduzieren. Vielmehr ist ein faszinierendes Hörspiel um Anpassung, Einverständnis und Widerspruch entstanden.”

Die “Funkkorrespondenz” schreibt:

“(…) in der 75-minütigen Inszenierung von Regisseur Stefan Kanis (ist) die Soundspur des Hörspiels kaum zu überschätzen. Denn mit der Klangdimension der Rauminstallation kommunizieren Kompositionen von Jörg Widmann und Songs der Hamburger-Schule-Band Tocotronic, die die Gläser der Vitrinen ebenso zum Erzittern bringen können wie der Sound fahrender Autos aus Muchas Installation. Eine Überblendung des Fernsehtons der Talkshow von Anne Will darüber, ob die DDR ein „Unrechtsstaat“ genannt werden darf, soll oder muss, mit dem Tocotronic-Song „Explosion“ verleiht dem Hörspiel nicht nur einen aktuell-politischen Bezug, sondern reizt in einem grandiosen Crescendo die akustische Dynamik voll aus.” Jochen Meißner (Funkkorrespondenz 37/12.9.2014)

– – –

In der DDR wusste jeder, wer Claasen war, auch wenn er das eine Buch, das von ihm hatte erscheinen können, nicht kannte. Aber der Mann war ein aufrührerischer Geist und hatte dafür im Gefängnis gesessen! Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Industrieruinen

Faszination und Wehmut

»Industrieruinen. Faszination und Wehmut«

Motiv aus den Bleichert-Werken Leipzig-Gohlis

Industrieruinen. Feature von Judith Burger.
Mit: Anja Schneider. Redaktion: Kathrin Aehnlich. Schnitt: Hans-Peter Ruhnert. Ton: André Lüer.
Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR FIGARO 09.08.2014 | 28’52)

Vor allem im Osten Deutschlands sind sie zu sehen: Verlassene Industriebauten – die Scheiben zerschlagen, die Wände mit Graffittis besprüht. Bäume wachsen durch die Fensterhöhlen der Bürogebäude, und von den Werkhallen stehen nur noch die Metallskelette. Was einst als große Baukunst galt und für tausende Werktätige „Heimat“ war, ist heute dem Verfall preisgegeben und wird mit Wehmut betrachtet. Für andere sind diese Industrieruinen zu einem Ausflugsort geworden. Das Eindringen in abgesperrte Betriebsanlagen ist eine Bewegung, eine Mischung aus Abenteuer und Wissensdrang. „Urban Exploration“ nennt sich die Erkundung von Teilen einer Stadt, die brach liegen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Gräber der großen Russen

Der Friedhof “Nowodewitschje” in Moskau

Ausschnitt aus “Die Gräber der großen Russen”

Offizieller Plan des FriedhofsDie Gräber der großen Russen. Feature von Günter Kotte.
Mit: Wolfram Berger, Wolfgang Winkler, Franka Anne Kahl und Sergej Gladkirch. Redaktion: Ulf Köhler. Schnitt: Hans-Peter Ruhnert. Ton: Holger König.
Regie: Stefan Kanis (Ursendung: MDR FIGARO 21.04.2014 | 82’51)

Der Friedhof „Nowodewitschje“ war und ist der Ehrenfriedhof im Riesenreich. Er liegt zu Füßen des „Nowodewitschje-Klosters“. 1524 vom Moskauer Großfürsten Wassili dem III. gegründet, gehört es seit 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Von den Klosterterrassen hat man einen wunderbaren Blick über den geschichtsträchtigen Friedhof „Nowodewitschje“, der in seiner Bedeutung dem Friedhof Père-Lachaise in Paris oder dem Highgate Cemetery in London oder dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin in nichts nachsteht. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die vier Himmelsrichtungen

Menschentreiben, elementar und spielerisch wie das Wetter

Anja Schneider, Ulrich Noethen, Elisabeth Trissenaar, Bernhard Schütz (Foto: MDR/Prosch/Kanis)

Ausschnitt aus “Die vier Himmelsrichtungen”

Die vier Himmelsrichtungen. Hörspiel nach dem Bühnenstück von Roland Schimmelpfennig.
Mit: Ulrich Noethen, Elisabeth Trissenaar, Anja Schneider und Bernhard Schütz. Dramaturgie: Thomas Fritz. Musik: Michael Rappold. Schnitt: Christian Grund. Ton: Holger König.
Hörspieleinrichtung und Regie: Stefan Kanis (Erstsendung: MDR FIGARO 30.03.2014 | 50’38)

In jeder guten Geschichte, geht der verloren, der sie erzählt. Das ist schade. Manchmal wüsste man gern mehr über die Menschen, die zu uns sprechen. Aber so sind spannende Geschichten; gibt man ihnen den kleinen Finger, ist man gleich in ihnen verschwunden. Das gilt im Besonderen für Schauspieler.
Die Geschichte der „Vier Himmelsrichtungen“ schlägt bezaubernde Kapriolen. Es ist von liebenden Herzen die Rede, von einer Kneipenschlägerei, von Luftballons zum Kneten, von einem Mann mit zwei Zungen und ein paar kleinen Lügen. Die erste Lüge ist: Die Geschichte, die das Hörspiel erzählt, hat vorher nicht existiert. Die Schauspieler haben sie im Studio erfunden.Das muss man sich so vorstellen: Ein schlanker Schauspieler steht vorm Mikrofon, überlegt eine Weile und sagt: „Ich bin Perseus“. Er sieht seine junge Kollegin an. Und damit wir am Radio verstehen, dass er das gesagt hat, der Mann im Studio, der sie so bezaubernd anlächelt, sagt sie zu uns Hörern, durchaus von ihm angetan, mit warmer Stimme sagt sie: „sagt er“. Das ist nicht viel Text, schon möglich. Aber es klingt wie eine Einladung. Und der schlanke Schauspieler freut sich, dass sie mit ihm spielt und sagt zu ihr: „Und du bist Medusa“. Das ist gleich die erste Überraschung. Schlechte Aussichten. Kopf ab, aber spannend. Weiterlesen
Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Atlas der abgelegenen Inseln

Fünfzig Inseln auf denen ich nie war und niemals sein werde

Atlas der abgelegenen Inseln

Rapa Iti10 Kurzgeschichten aus dem Buch von Judith Schalansky. Es lesen Christian Friedel, Alexander Brabandt und Conny Wolter. Regie: Stefan Kanis. (10 Sendungen; 17.02. – 21.02.2014, MDR FIGARO)

Von den Weihnachts- bis zu den Osterinseln, vom Clipperton Atoll bis nach St. Kilda: die Dichterin und Buchgestalterin Judith Schalansky führt in ihrem “Atlas der abgelegenen Inseln” auf fünfzig Inseln, die zwar real, aber dennoch kaum erreichbar sind. Diesen vom globalen Reisestrom verschonten Eilanden widmet sie Prosa-Miniaturen, in denen es von verschollenen Seeleuten, Meerjungfrauen, merkwürdigen Tieren und Begebenheiten nur so wimmelt. Ihr kunstvoll gestaltetes Buch wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet.

Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Steinbaukastenträume

Die Gebrüder Lilienthal, Fröbel und ein Rudolstädter Original

Steinbaukastenträume

Surroundaufnahme des Ankerstein-Dominos

Feature von Otto Werner Förster.
Mit Friedhelm Ptok und Jens Harzer.
Redaktion: Katrin Wenzel. Ton: Holger König. Regie: Stefan Kanis.
MDR 2013 (83′- 5.1-Surroundton | Ursendung: 26.12.2013, MDR FIGARO)

Er ist gelb, rot oder blau – entsprechend den drei Baumaterialien Ziegelstein, Sandstein und Schiefer: der Anker-Baustein. Aus puren Naturingredienzien, aus Sand, Schlämmkreide und Leinöl gepresst und dann gebacken, entstehen Bausteine mit einer glatten Oberfläche.Sie liegen angenehm kühl und schwer in der Hand und sind in Haptik und ihrem firnisartigen Geruch unverwechselbar. Seit 130 Jahren und lange vor allen Steckbaukästen haben Kinder mit ihnen die Prototypen der Architektur ergründen und bauen gelernt: „die“ Kapelle, „den“ Dom oder Aussichtsturm. Anker-Bausteine sind in Europa und den USA bekannt, verbreitet und beliebt. Albert Einstein hat damit gespielt und Erich Kästner, Walter Gropius und Roman Herzog, Jurek Becker, Jürgen Trittin und Bill Clinton. Weiterlesen
Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Graf Brühl – Dresdens Mäzen und Bankrotteur

vom Pagen zum Premierminister

Graf Brühl – Dresdens Mäzen und Bankrotteur

Porträt Heinrich von Brühls (Louis de Silvestre; Quelle: Wikipedia) Feature von Matthias Körner. Mit Frauke Poolman, Udo Schenk, Danne Suckel und Torsten Ranft. Redaktion: Kathrin Aehnlich. Ton: Holger König. Regie: Stefan Kanis.
MDR 2013 (59’16 | Ursendung: 30.10.2013, MDR FIGARO)

Über fünfhundert Meter erstreckt sich am Dresdner Elbufer der „Balkon Europas“, die „Brühlsche Terrasse“. Ihrem Namenspatron Heinrich Graf Brühl (1700-1763) verdanken die Dresdener wertvollen Kulturbesitz der Stadt. Seine Zukäufe machen die Gemäldegalerie „Alte Meister“ zu dem, was sie heute ist. Er setzt den Bau der Frauenkirche durch. Er revolutioniert den Städtebau.Der in Gangloffsömmern in Thüringen geborene Sohn eines Hofmarschalls macht eine beispiellose Karriere am Hof August des Starken. Er schafft es vom Pagen zum Kammerpräsidenten und Obersteuereinnehmer und wird Sachsens Premierminister. Bei der Finanzvergabe stellt er die Anschaffungen für Kunst und Glanz vor die Aufrüstung der Armee. Weiterlesen
Veröffentlicht unter Radioarbeiten | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar